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Termine. Orte. Geschichten.
Süchteln
Die vier Ortsgeschichten

SÜCHTELN · EINE ORTSGESCHICHTE

Süchteln: Samt, Seide und Waldwege

Wer von der Seide lebte, weshalb der Ort Mauern brauchte und wie Süchtelns Klinikgeschichte bis nach Waldniel führt.

Der beleuchtete Turm von St. Clemens in Süchteln bei Nacht
St. Clemens, Süchteln · September 2021 · Foto: Privat

Süchteln verstehen

Süchteln lässt sich zwischen zwei Häusern verstehen: dem kleinen Weberhaus und dem reich geschmückten Unternehmerhaus. Beide gehören zur Textilstadt, aber sie zeigen, wie ungleich ihre Möglichkeiten verteilt waren. Ähnlich geteilt war zuvor die Macht: St. Pantaleon in Köln besaß Land und Rechte, Jülich sicherte hier seine Grenze. Daraus entstanden ein befestigter Kern und Zuständigkeiten, die nicht in eine einfache Herrscherliste passen. Später machte Johannistal den Ort zu einem Klinikstandort. Sein Versorgungsauftrag und die Beteiligung an NS-Verbrechen müssen zusammen erzählt werden. Süchtelns Geschichte führt deshalb immer wieder zu derselben Frage: Wer konnte über Arbeit, Rechte und das Leben anderer bestimmen?

3 große Erzählungen14 historische Stationen29 Quellen zum Weiterlesen

SPORT HAT GESCHICHTE

Das Spiel. Die Stadt. Die Menschen.

Vom selbst gebauten Trampolin bis zum Pokalduell: Entdecke acht Vereine und die Menschen hinter ihren Jubiläumszahlen.

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DER ORT AUF EINEN BLICK

Macht im Stadtkern. Arbeit am Fenster.

Schau auf die Fenster des Weberhauses, geh um St. Clemens und dann weiter zur Kapelle auf dem Heiligenberg.

  1. Ein Kloster und ein Landesherr

    St. Pantaleon besaß Land und Gerichtsrechte. Jülich übte die politische Herrschaft aus und baute den Grenzort aus. Das waren unterschiedliche Formen von Macht. 1116 erscheint Süchteln in Schriftquellen; älter war die Siedlung schon.

    Die Geschichte dahinter ↘
  2. Der Webstuhl stand zu Hause

    Viele Weber lebten und arbeiteten im selben Haus. Kleine Weberhäuser und große Unternehmervillen erzählen von einer gemeinsamen Branche – und davon, wie unterschiedlich Einkommen und Lebensbedingungen sein konnten.

    Die Geschichte dahinter ↘
  3. Menschen hinter den Jahreszahlen

    Die Kapelle erzählt von der Verehrung der Irmgardis. Die Geschichte der Kliniken führt zu medizinischer Hilfe, aber auch zu NS-Verbrechen. Hier geht es um unterschiedliche Lebenswege, Überlieferungen und Verantwortung.

    Die Geschichte dahinter ↘
Lieber draußen entdecken? Wähle eine Spur vor Ort ↘

HINTER DEN FASSADEN

Was hier geschah.
Und warum es zählt.

Wie Menschen arbeiteten, Macht ausübten oder ihr Leben neu anfangen mussten. Etwa 9 Minuten zum Eintauchen.

Samt, Seide und ein Streit ums eigene Geschäft

Ein Webstuhl im eigenen Haus bedeutete noch keine Unabhängigkeit. Drei Süchtelner Webermeister wollten 1788 selbst Geschäfte machen – und gerieten darüber mit ihrem Auftraggeber aneinander. Ihr Streit erklärt, wie die Textilstadt funktionierte.

2009

Ein Haus in der Weberstadt

Das Weberhaus an der Hochstraße 10, aufgenommen 2009. Ein erhaltenes Haus macht die Geschichte der Süchtelner Hausweberei im Straßenbild greifbar.

Genauer hinsehen

Schau auf die Fassadenflächen, die Fenster und die Eingangstüren. Der Blick von außen führt zur Frage, wie Wohnen und Arbeiten einst unter einem Dach zusammenkamen.

Einordnung zum Bild

Die jüngere Außenaufnahme zeigt das Haus. Sie dokumentiert weder einen historischen Webstuhl noch den Arbeitsalltag eines bestimmten Haushalts.

ORT DER GESCHICHTE · 2009

Ein Haus in der Weberstadt

Ortsaufnahme

Das Weberhaus an der Hochstraße 10, aufgenommen 2009. Ein erhaltenes Haus macht die Geschichte der Süchtelner Hausweberei im Straßenbild greifbar.

Schau auf die Fassadenflächen, die Fenster und die Eingangstüren. Der Blick von außen führt zur Frage, wie Wohnen und Arbeiten einst unter einem Dach zusammenkamen.

Bildnachweis & Einordnung

Die jüngere Außenaufnahme zeigt das Haus. Sie dokumentiert weder einen historischen Webstuhl noch den Arbeitsalltag eines bestimmten Haushalts.

Käthe und Bernd Limburg

Wikimedia Commons; Bildgröße und Dateiformat angepasst, ohne inhaltliche Veränderungen. Diese Fassung steht unter derselben Lizenz.

CC BY-SA 3.0 de · Bildnachweis ↗

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Die drei Webermeister hatten einen Auftraggeber: F. H. Heydweiller, Sohn & Rigal lieferte ihnen Rohseide zur Verarbeitung. Doch die Männer wollten auch Samtbänder anderer Weber kaufen und dem Unternehmen anbieten. Damit wechselten sie die Rolle. Sie wären nicht mehr nur Hersteller auf Bestellung gewesen, sondern selbst Händler. Am 9. Dezember 1788 beschäftigten sich die Amtsverwalter von Brüggen mit dem Streit. Peter Kriedte hat ihn anhand der Akten untersucht. Hinter der kleinen Geschäftsfrage stand eine große: Wer durfte am Handel verdienen, und wer sollte beim Lohn für die Verarbeitung bleiben?1

Der Alltag vieler Hausweber erklärt, warum das wichtig war. Wohnung und Werkstatt lagen dicht beieinander; im kleinen Weberhaus am Butschenweg 31 lässt sich diese Nähe noch erkennen. Der Webstuhl brauchte Tageslicht und stand möglichst am Fenster. Oft war selbst er vom Unternehmer geliehen. Wer zu Hause arbeitete, hing also trotzdem von fremdem Material, fremden Aufträgen und fremder Ausrüstung ab. Landwirtschaft konnte den Lebensunterhalt ergänzen. Daneben gab es freie Meister; wie viele, lässt sich aus Kriedtes Untersuchung nicht bestimmen.12

Viel Vermögen, wenig Platz

Noch 1871 zählte der Arzt Aloys Schmitz zehn „Niederlagen“ der Seidenindustrie in Süchteln. Gemeint waren Geschäftsstellen, nicht zehn große Fabrikhallen. Viel Arbeit fand weiterhin zu Hause statt. Schmitz beschrieb schlechte Luft und überfüllte Räume, aber auch bessere Wohnungen einzelner Seidenwirker. Ihn beschäftigte der Abstand zwischen großen Unternehmervermögen und niedrigen Weberlöhnen. Seine Wertungen über Arbeiter tragen die Vorurteile seiner Zeit. Die Beobachtung dahinter bleibt deutlich: Der Erfolg eines Gewerbes sagte wenig darüber aus, wie seine Beschäftigten wohnten.3

Nur wenige Straßen weiter zeigt die Düsseldorfer Straße 7, wie anders sich Wohlstand ausdrücken konnte: ein breites, reich geschmücktes Haus. Es wird mit Friedrich Wilhelm Duhr verbunden, dem Sohn eines Süchtelner Lehrers, der um 1877 die mechanische Seidenweberei Ling & Duhr mitgründete. Das kleine Weberhaus und diese Fassade gehören zur selben örtlichen Wirtschaft, aber zu sehr verschiedenen Lebensverhältnissen. Baujahr 1849 und Duhrs Rolle als Bauherr sind in der Denkmalakte nicht abschließend bestätigt; sie gehen auf Angaben des damaligen Eigentümers zurück.4

Aus örtlichen Firmen wird ein internationales Unternehmen

Im Ersten Weltkrieg machte Rohstoffmangel den gemeinsamen Einkauf für Textilfirmen wichtiger. Aus solchen Verbindungen entstand 1920 die Verseidag; Josef Esters von der Süchtelner Seidenweberei Gebrüder Esters gehörte zu den Gründern. Später bestanden Verkaufsbüros in Berlin, Wien, London und Amsterdam. Der Weg vom geliehenen Webstuhl zum internationalen Unternehmen änderte die Größenordnung des Geschäfts. Die berühmten Verseidag-Bauten von Mies van der Rohe entstanden allerdings 1931 bis 1938 in Krefeld: ein anderer Ort in einem Netz, zu dem auch Süchteln gehörte.5

LIES SELBST

Wissenschaftliche Einordnung
1788 · wissenschaftlich untersucht 1983

Der Streit der drei Webermeister

Auf den Buchseiten 259–260 beschreibt Peter Kriedte den Streit anhand der alten Akten. Lies beide Seiten zusammen: Sie zeigen auch, wie frei oder abhängig die Weber waren.

Worauf du beim Lesen achten kannst
  1. Auf Seite 259 beginnt der Süchteln-Abschnitt unter der Tabelle über Grefrath.
  2. Fußnote 151 nennt die Vernehmung vom 9. Dezember 1788.
  3. Auf Seite 260 wird erläutert, warum der Anteil freier Weber unbestimmt bleibt.

Wann wurde aus dem Verkauf eigener Arbeit ein Streit um fremdes Material?

Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung · ansehen ↗

Kennst du jemanden, den das interessiert?

Einordnung und offene Fragen

Der Anteil freier Webermeister lässt sich für den untersuchten Zusammenhang nicht bestimmen. Die genaue Entstehungszeit des Weberhauses bleibt ein Zeitraum.

DAS HÄNGT ZUSAMMEN

Ein anderer Blick darauf.

Quellen zu dieser Geschichte · 5
  1. 1.Peter Kriedte: Proto-Industrialisierung und großes Kapital, Archiv für Sozialgeschichte 23(1983), besonders S.259–260 ↗
  2. 2.Städtische Denkmalbeschreibung: Weberhaus Butschenweg 31, Wiedergabe bei Bernd Limburg ↗
  3. 3.Aloys Schmitz 1871, Auszüge und Einordnung von Walther Föhl 1964: Die Leute an Schwalm und Nette ↗
  4. 4.Stadt Viersen: Denkmalakte Düsseldorfer Straße 7, Stand 1994 ↗
  5. 5.Industriekultur Krefeld: Verseidag, Gründer und zentrale Betriebsstätte ↗

Warum Süchteln Mauern brauchte

Eine Stadt konnte mehreren Herren zugleich verpflichtet sein. In Süchteln trafen der Grundbesitz eines Kölner Klosters und Jülichs Grenzpolitik aufeinander. Diese geteilte Macht erklärt die alte Stadtform besser als eine einzelne Gründungszahl.

1911

Licht auf dem Heiligenberg

Erwin Quedenfeldt fotografierte die Irmgardiskapelle 1911. Baumstämme und Schatten rahmen den hellen Giebel; ein offener Eingang führt in den kleinen Bau.

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Folge dem Schatten der Zweige über die Wand. Dann suche Kreuz, Dachreiter und Eingang: Ein vertrauter Ort erscheint als Zusammenspiel von Licht und Form.

Einordnung zum Bild

Die Aufnahme dokumentiert die Kapelle im Jahr 1911. Sie zeigt weder ihren Zustand bei der Errichtung 1664 noch einen Beleg für Irmgards Lebensgeschichte.

HISTORISCHES ORIGINAL · 1911

Licht auf dem Heiligenberg

Historische Fotografie

Erwin Quedenfeldt fotografierte die Irmgardiskapelle 1911. Baumstämme und Schatten rahmen den hellen Giebel; ein offener Eingang führt in den kleinen Bau.

Folge dem Schatten der Zweige über die Wand. Dann suche Kreuz, Dachreiter und Eingang: Ein vertrauter Ort erscheint als Zusammenspiel von Licht und Form.

Bildnachweis & Einordnung

Die Aufnahme dokumentiert die Kapelle im Jahr 1911. Sie zeigt weder ihren Zustand bei der Errichtung 1664 noch einen Beleg für Irmgards Lebensgeschichte.

Erwin Quedenfeldt (1869–1948) · Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf

Sammlung Erwin Quedenfeldt, ULB Düsseldorf, Aufnahme 5723269; digitale Reproduktion über Wikimedia Commons.

Gemeinfrei · Public Domain · Bildnachweis ↗

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Wer in Süchteln Land bewirtschaftete, konnte einem Herrn Abgaben schulden und zugleich unter der politischen Herrschaft eines anderen leben. Ein früher Mittelpunkt war der Fronhof der Kölner Abtei St. Pantaleon: Von dort wurden Besitz, Abgaben und bestimmte Gerichtsrechte verwaltet. Das Kloster war also nicht bloß eine religiöse Verbindung nach Köln. Es griff in den wirtschaftlichen und rechtlichen Alltag ein. Der Rheinische Städteatlas nennt 1116 als erste schriftliche Erwähnung Süchtelns. Die Siedlung ist älter als dieser erhaltene Nachweis.1

Jülich interessierte sich für Süchteln als Grenzort nahe Kurköln und Geldern. Im 14. Jahrhundert bauten die Grafen den Ort aus; für 1405 sind Stadtverwaltung, Wall und Graben belegt. Eine befestigte Stadt half, den eigenen Machtbereich zu sichern. Die Rechte von St. Pantaleon bestanden dabei weiter. Das scheinbare Durcheinander hatte eine Ordnung: Grundbesitz und Abgaben waren etwas anderes als Landesherrschaft. Wer Süchteln verstehen will, muss diese Ebenen auseinanderhalten.1

1911

Eine Tür wird zum Zeitfenster

Eine Haustür an der Probsteistraße 2, aufgenommen von Erwin Quedenfeldt 1911. Der Fotograf hielt selbst ein kleines Detail des Süchtelner Stadtkerns fest.

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Entdecke das ornamentierte Oberlicht, die geschnitzten Türfelder und die Zahl 2. Wie viel Gestaltung steckt in einem alltäglichen Eingang?

Einordnung zum Bild

Der historische Bildtitel nennt Probsteistraße 2. Die Aufnahme zeigt eine Haustür; sie identifiziert für sich genommen weder den Schultheißenhof noch dessen Verwaltung.

HISTORISCHES ORIGINAL · 1911

Eine Tür wird zum Zeitfenster

Historische Fotografie

Eine Haustür an der Probsteistraße 2, aufgenommen von Erwin Quedenfeldt 1911. Der Fotograf hielt selbst ein kleines Detail des Süchtelner Stadtkerns fest.

Entdecke das ornamentierte Oberlicht, die geschnitzten Türfelder und die Zahl 2. Wie viel Gestaltung steckt in einem alltäglichen Eingang?

Bildnachweis & Einordnung

Der historische Bildtitel nennt Probsteistraße 2. Die Aufnahme zeigt eine Haustür; sie identifiziert für sich genommen weder den Schultheißenhof noch dessen Verwaltung.

Erwin Quedenfeldt (1869–1948) · Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf

Sammlung Erwin Quedenfeldt, ULB Düsseldorf, Aufnahme 5723270; historische Straßenschreibung aus dem Bildtitel.

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Die Grenze führte durch wenige Tore

Zunächst führten nur zwei Tore in den Ort, eines im Süden und eines im Westen; 1592 kam ein nördlicher Zugang hinzu. Zwei Gräben, bepflanzte Wälle und stellenweise Mauern oder Zäune schützten die Stadt. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts ergänzten sechs Rondelle die Anlage, runde Ausbauten für die Verteidigung. Die Befestigung regelte zugleich den Alltag: Wege hinein und hinaus mussten durch wenige Öffnungen führen. Der alte Straßenkern bewahrt bis heute etwas von dieser gebündelten Bewegung.2

Nicht nur Rechte und Mauern hielten einen Ort zusammen, sondern auch Erzählungen über seinen Ursprung. Bei Irmgardis lässt sich verfolgen, wie eine solche Erzählung wuchs. Arie Nabrings zeigt: Eine kopierte Urkunde von 1225 nennt Weinberge und neu gewonnenes Ackerland. Spätere Fassungen erzählen von der Schenkung Süchtelns durch eine Gräfin; erst nachträglich tritt das Jahr 1071 hinzu. Diese Jahreszahl ist deshalb kein zeitnaher Beleg für das Ereignis. Sie gehört zur Geschichte der Verehrung, in der spätere Generationen Irmgardis immer enger mit Süchteln verbanden.3

Auch ein vertrauter Name hat eine Geschichte

1518 begegnet der heutige Heiligenberg als Helderberg. Nabrings erklärt das niederdeutsche Wort mit „abschüssiger Berg“. Eine Irmgardis-Kapelle ist schon 1498 belegt; den Namen Heiligenberg verwendete später Pfarrer Romanus Antonii. Ob er die frühere Bezeichnung missverstand, bleibt eine Deutung. Die erhaltene Kapelle stammt von 1664. Landschaft, Bau und religiöse Erinnerung sind hier unterschiedlich alt – und haben sich zu dem Ort verbunden, den wir heute unter einem Namen kennen.3

1907 verschwand mit dem Viersener Tor der letzte Torbau. Die Stadtform überstand ihn. Im Vergleich mit der Katasterkarte von 1812, die Grundstücke und Straßen festhält, hat sich der Grundriss nur wenig verändert. Ostring und Westring führen um das frühere Befestigungsgebiet. Geh einmal außen entlang und dann durch die Gassen: Die verschwundene Grenze bestimmt noch immer die Größe und Form des alten Kerns. Süchtelns Mauern sind weitgehend weg; ihre Wirkung auf den Ort lässt sich weiterhin abschreiten.2

LIES SELBST

Baudenkmal
Befestigung 1405 · Urkataster 1812

Den alten Ortskern lesen

Die Denkmalbeschreibung erklärt den alten Straßenverlauf und zeigt, wo Süchtelns Tore lagen.

Worauf du beim Lesen achten kannst
  1. Den Aufbau der Befestigung.
  2. Den Vergleich mit dem Urkataster 1812.

Welche Linien erinnern an die frühere Begrenzung?

LVR, KuLaDig · ansehen ↗

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Einordnung und offene Fragen

Die Fachquellen nennen für die erste Erwähnung 1116 beziehungsweise 1123 und für den Jülicher Herrschaftswechsel 1304 beziehungsweise 1323. Das sind keine gesicherten Gründungsdaten. Legenden und spätere Überlieferungen bleiben von zeitgenössischen Belegen getrennt.

DAS HÄNGT ZUSAMMEN

Ein anderer Blick darauf.

Quellen zu dieser Geschichte · 3
  1. 1.LVR, Rheinischer Städteatlas: Süchteln, Karl L.Mackes 1982 ↗
  2. 2.LVR-KuLaDig: Denkmalbereich Viersen–Süchteln, Elke Janßen-Schnabel ↗
  3. 3.Arie Nabrings: Irmgardis von Süchteln, Portal Rheinische Geschichte ↗

Johannistal: Behandlung, Verfolgung und die späte Suche nach Namen

Eine Klinik sollte Menschen versorgen. Unter der NS-Herrschaft wurden Patienten zwangssterilisiert, verlegt und ermordet. Die Lebenswege von Walter und Else zeigen, wie eng Süchteln mit Waldniel-Hostert verbunden war – und warum diese Geschichte nicht bei einer Gedenktafel endet.

Zeitlinie & Belege zu dieser Geschichte ↘

17. Juni 2019

Erinnerung an einzelne Menschen

Die Gedenkstätte Waldniel-Hostert in Schwalmtal, aufgenommen 2019. Sie gehört zu den Orten, an denen an die Opfer der NS-Krankenmorde erinnert wird. Die Geschichte führt von Süchteln auch hierhin.

Genauer hinsehen

Nimm dir Zeit für die einzelnen Erinnerungen an der Mauer. Hinter der Geschichte der Einrichtungen stehen Menschen und ihre Lebenswege.

Einordnung zum Bild

Der Ort liegt in Waldniel-Hostert, nicht auf dem Gelände Johannistal in Süchteln. Die Aufnahme zeigt eine spätere Gedenkstätte, kein Dokument aus der NS-Zeit.

ORT DER GESCHICHTE · 17. Juni 2019

Erinnerung an einzelne Menschen

Aufnahme des Gedenkorts

Die Gedenkstätte Waldniel-Hostert in Schwalmtal, aufgenommen 2019. Sie gehört zu den Orten, an denen an die Opfer der NS-Krankenmorde erinnert wird. Die Geschichte führt von Süchteln auch hierhin.

Nimm dir Zeit für die einzelnen Erinnerungen an der Mauer. Hinter der Geschichte der Einrichtungen stehen Menschen und ihre Lebenswege.

Bildnachweis & Einordnung

Der Ort liegt in Waldniel-Hostert, nicht auf dem Gelände Johannistal in Süchteln. Die Aufnahme zeigt eine spätere Gedenkstätte, kein Dokument aus der NS-Zeit.

Rudolfo42

Wikimedia Commons; Bildgröße und Dateiformat angepasst, ohne inhaltliche Veränderungen. Diese Fassung steht unter derselben Lizenz.

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Als Johannistal am 14. Juli 1906 feierlich eröffnet wurde, lebten dort bereits 612 Patientinnen und Patienten. Die ersten waren Mitte 1905 aufgenommen worden. Das Offene-Tür-System gehörte zum Versorgungskonzept; eine Poliklinik bot mittellosen Menschen kostenlose Untersuchung und Beratung auch ohne stationären Aufenthalt. Der erste Direktor Paul Brie war noch in der Bauphase gestorben, Gustav Flügge hatte übernommen. Johannistal begann mit einem Versorgungsauftrag. Gerade daran muss sich messen lassen, was in der NS-Zeit mit Menschen geschah, die auf Hilfe angewiesen waren.1

Walter war Gärtner. Er kam 1937 nach Süchteln-Johannistal und wurde 1939 nach Waldniel verlegt. Zuvor hatten ihn die Nationalsozialisten zwangssterilisieren lassen – ihm also gewaltsam die Möglichkeit genommen, Kinder zu bekommen. Seine Mutter fragte nach seiner Versorgung; die Akte hält einen Gewichtsverlust fest. 1941 starb er. Die bescheinigte Lungenentzündung belegt keine gezielte Tötung. „Walter“ ist ein Schutzname des Gedenkorts. Was wir über Beruf und Mutter erfahren, bewahrt dennoch etwas vom Menschen hinter den medizinischen Akten.2

Eine Zweiganstalt, keine entfernte Geschichte

Else H., genannt Elschen, hatte zunächst eine Schule besucht und wurde nahe ihrem Heimatort kirchlich betreut. Nach einer schweren Infektion lebte sie mit einer Behinderung. Später kam sie nach Waldniel-Hostert, seit 1937 eine Zweiganstalt von Johannistal. Am 9. Januar 1943 wurde sie dort getötet, kurz vor ihrem zwölften Geburtstag. Hermann Wesse bescheinigte Lungenentzündung. Ihr Vater versuchte vergeblich, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Der Gedenkort dokumentiert ihre Tötung ausdrücklich. Seit 2007 erinnert in Duisburg ein Stolperstein an sie.23

Die Verbindung nach Süchteln reicht bis in die spätere Aufarbeitung. 1986 wurden im Keller des dortigen Verwaltungsgebäudes Patientenakten gefunden, darunter mehr als 60 Akten verstorbener Kinder aus der Waldnieler Kinderabteilung. Eine Arbeitsgruppe der Klinik begann zu forschen. Gleichzeitig beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler mit Lehrer Peter Zöhren mit dem verwilderten Anstaltsfriedhof in Waldniel und erarbeiteten eine Ausstellung. 1988 erschien Zöhrens Darstellung, 1989 erhielt Süchteln eine Gedenktafel. Dass heute Lebenswege erzählt werden können, ist auch das Ergebnis dieser späten Suche.3

2018 bekam die Erinnerung in Waldniel-Hostert eine andere Form. Mehr als 500 Menschen übernahmen Patenschaften und schrieben jeweils ein Namensschild für die erweiterte Gedenkstätte, die am 29. Mai eröffnet wurde. Schülerinnen und Schüler beteiligten sich an großen farbigen Aluminiumkugeln, die an Spielzeug und die ermordeten Kinder erinnern. Der Ort liegt heute in Schwalmtal; seine Geschichte bleibt durch die frühere Klinikorganisation mit Süchteln verbunden. Die Namen machen deutlich, wen eine bloße Gesamtzahl nicht zeigen kann.4

Widerspruch war möglich – und hatte Folgen

Die Pflegerin Anna Dratner widersprach den Maßnahmen in der Waldnieler Kinderabteilung. Arzt Georg Renno schrieb daraufhin am 23. Februar 1942 an die Vorgesetzten in Süchteln und verlangte ihren Abzug. Der Historiker Ralf Forsbach beschreibt den Brief und den erfolgreichen Antrag. Damit ist ein konkreter Entscheidungsvorgang greifbar: Eine Pflegerin erhob Einspruch, ein Arzt verlangte ihre Entfernung, und die Leitung in Süchteln war beteiligt. Die Verbrechen erscheinen so nicht als gesichtsloser Ablauf. Menschen handelten – und Menschen reagierten auf Widerspruch.5

Auch eine Verlegung bedeutete nicht unbedingt Schutz. Im Juli 1943 wurden 183 Kinder aus Waldniel in andere Einrichtungen gebracht; aus Zielanstalten sind weitere Todesfälle bekannt. Andreas Kinast verglich eine Aufstellung von 1947 mit den dortigen Aufnahmebüchern. Schon die Daten zu Uchtspringe widersprechen sich: Der Abgang wird für den 3. Juli, die Ankunft für den 2. Juli genannt. Solche Unterschiede sind wichtig, wenn der Weg eines einzelnen Kindes rekonstruiert werden soll. Kinasts Untersuchung von 2012 ist ein Forschungsstand, keine abgeschlossene Liste aller Schicksale.6

Kinast nennt 99 verstorbene Kinder und Jugendliche für Waldniel. Forsbach berichtet von Hermann Wesses Geständnis über 30 Tötungen vor dem Düsseldorfer Gericht 1948. Die Zahlen beantworten verschiedene Fragen: Die eine zählt Todesfälle in einer Abteilung, die andere eingestandene Taten eines Arztes. Diese Zahlen lassen sich nicht einfach zusammenführen: weder gleichsetzen noch addieren. Für die Verantwortung im einzelnen Fall bleiben Patientenunterlagen, Aussagen und andere Belege entscheidend. Gerade bei diesen Verbrechen wäre eine scheinbar eindeutige Zahl, die verschiedene Befunde vermischt, keine Genauigkeit.65

Wie nah diese Geschichte weiterhin sein kann, zeigt Anneliese. Ein Angehöriger entdeckte ihren Namen im Familienstammbuch: Sie war mit 15 Jahren in Waldniel-Hostert gestorben. Die Suche führte ihn zum Gedenkort und zu einer Todesbescheinigung im Kreisarchiv Viersen; im Februar 2025 besuchte er die Gedenkstätte. Peter Zöhren berichtete darüber. Ein Teil ihres Lebenswegs war wiedergefunden, ein individueller Tötungsablauf damit noch nicht geklärt. Erinnerung heißt hier auch, einen Namen ernst zu nehmen und die noch offene Frage nach seinem Schicksal auszuhalten.7

LIES SELBST

Wissenschaftliche Einordnung
Aktenfund 1986 · Gedenktafel 1989

Wie das Erinnern wieder begann

Kaelber beschreibt den Aktenfund in Süchteln und die Menschen, die sich in Waldniel um die Erinnerung kümmerten.

Worauf du beim Lesen achten kannst
  1. Den Absatz zum Fund von Patientenakten im Jahr 1986.
  2. Die Unterscheidung zwischen Gedenkstätte 1988 und Süchtelner Tafel 1989.

Was brauchten die wiedergefundenen Akten, damit aus ihnen öffentliches Erinnern wurde?

University of Vermont, Forschungsdokumentation von Lutz Kaelber · ansehen ↗

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Zeitlinie und Quellen genauer ansehen 3 Dokumente

DEN BELEGEN FOLGEN

Die Quellen verbinden individuelle Lebenswege mit Entscheidungen von Ärzten, Vorgesetzten und Verwaltung. Todesbescheinigungen, Verlegungslisten und spätere Ermittlungen haben dabei unterschiedliche Aussagekraft.

  1. 1905/06
    Johannistal nimmt Menschen auf

    Aufnahmen beginnen vor der Einweihung der Anstalt.

  2. 23.2.1942
    Renno schreibt nach Süchteln

    Der Arzt verlangt, die widersprechende Pflegerin Anna Dratner aus Waldniel abzuziehen.

  3. Juli 1943
    Kinder werden weiterverlegt

    Aufstellungen und Aufnahmebücher müssen miteinander verglichen werden.

  4. 1986
    Patientenakten werden wiedergefunden

    Der Fund in Süchteln gibt der Aufarbeitung neue Grundlagen.

  5. 2025
    Annelieses Angehöriger sucht weiter

    Ein Familienstammbuch führt ihn zum Gedenkort.

Die Dokumente nebeneinander lesen 3
Einordnung und offene Fragen

Waldniel war eine Zweiganstalt von Johannistal und liegt im heutigen Schwalmtal. Die Gesamtzahl verstorbener Kinder, Wesses Geständnis und individuell untersuchte Lebenswege bezeichnen unterschiedliche Befunde.

DAS HÄNGT ZUSAMMEN

Ein anderer Blick darauf.

Quellen zu dieser Geschichte · 7
  1. 1.LVR-Klinik Viersen: Geschichte der Klinik ↗
  2. 2.Peter Zöhren, Gedenkort Waldniel-Hostert: NS-Psychiatrie 1934–1945, Patientenschicksale ↗
  3. 3.Lutz Kaelber, University of Vermont: Kinderfachabteilung Waldniel, Aufarbeitung und Gedenken ↗
  4. 4.LVR: Eröffnung der erweiterten Gedenkstätte Waldniel-Hostert,29. Mai 2018 ↗
  5. 5.Ralf Forsbach · NS-Patientenmorde und Zwangssterilisierungen im Rheinland, Portal Rheinische Geschichte des LVR ↗
  6. 6.Andreas Kinast · Die Tötung behinderter Kinder in Waldniel 1941–1943, Forum 1/2012, S. 46–64 ↗
  7. 7.Peter Zöhren · Anneliese A., Gedenkort Waldniel-Hostert, 15. Februar 2025 ↗

EIN NÄHERER BLICK

Menschen, Häuser,
neue Fragen.

Geschichten, die den Blick auf den Ort verändern. Die Zahlen am Text führen zu den Belegen.

Jüdisches Leben · 1902–1952

Hochstraße 39: Was hinter dem Namen Lifges stand

Ein Textilgeschäft, ein Fotoatelier und eine Wiedereröffnung 1952. An einer Süchtelner Adresse treffen jüdisches Geschäftsleben, Verfolgung und die Geschichte der Überlebenden aufeinander.

Nathan Lifges verband an der Hochstraße 39 Textilgeschäft und Fotoatelier. Nach seinem Tod 1902 führte Jakob das Geschäft weiter; dessen Schwester Sara Lifges arbeitete als Ladengehilfin. Die bei der Virtuellen Gedenkstätte erhaltenen Anzeigen zeigen beide Geschäftszweige. Hinter der Adresse standen also ein Familienbetrieb und verschiedene Angebote für die Kundschaft.1

Die Verfolgung traf das Leben vor Ort

Die Gedenkstätte dokumentiert antisemitische Angriffe und die Einziehung der Pässe von Jakob und Sofia. 1942 wurden Jakob, Sofia und Sara deportiert und in Treblinka ermordet. Die Familiengeschichte ist damit auch die Geschichte von Menschen, die aus einer vertrauten Geschäftsstraße gewaltsam ausgeschlossen wurden.1

1952 wurde das Haus nach Angaben der Gedenkstätte an Jakobs Tochter zurückübertragen. Ihr Mann Kurt Wollstein eröffnete das Textilhaus Lifges wieder. Ein dort abgebildetes Inserat hält diesen Neubeginn fest. Der Name kehrte in die Hochstraße zurück, die Ermordeten konnten es nicht. Gerade deshalb gehört auch die Wiedereröffnung zu dieser Geschichte: Sie zeigt, was Überlebende nach 1945 weiterführten, ohne das Verlorene zurückzubekommen.1

Quellen und Hintergründe · 1
1. Lokale Recherche mit DokumentenVirtuelle Gedenkstätte Viersen · Familie Lifges ↗

Fundstelle: Anzeigen · Passvermerke · „Die Zeit nach 1945“

Dokumente und spätere Erinnerungen sind zu unterscheiden. Die Darstellung veröffentlicht keinen vollständigen Rückerstattungsakt.

Hochstraße 39 ist eine Adresse im heutigen Straßenraum. Bitte bleib auf öffentlichen Wegen und behandle Stolpersteine als Erinnerungszeichen.

Recherche: 7. Oktober 2026.

DAS HÄNGT ZUSAMMEN

Ein anderer Blick darauf.

NAHAUFNAHMEN

Das große Ganze
beginnt bei Menschen.

Eine Adresse, ein Beruf, ein Dokument: Diese Geschichten führen näher an den Alltag – und von einem Stadtteil in den nächsten.

Gemeinsame Stadt · 1968–1970

Vier Orte bekamen eine Stadt. Zusammenwachsen mussten sie selbst.

Am 1. Januar 1970 galt ein neues Stadtgebiet. Doch Bürger gingen weiter zu vertrauten Ämtern, und Feuerwehren hatten ihre eigenen Zuständigkeiten. An diesen kleinen Fragen zeigt sich, was die große Reform praktisch bedeutete.

Die Nahaufnahme lesen ↗

EIN ORT. ZWEI ZEITEN.

Die Kapelle bleibt. Der Blick verändert sich.

109 Jahre liegen zwischen diesen Aufnahmen der Irmgardiskapelle. Beide zeigen denselben Ort, aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

1911 · Historisches Original

1911

Quedenfeldts Aufnahme von 1911

Quedenfeldts Aufnahme von 1911

Suche den hellen Giebel zwischen den Baumstämmen. Die historischen Schatten gehören zum Aufnahmeaugenblick.

Erwin Quedenfeldt (1869–1948) · Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf · Gemeinfrei · Public Domain · Bildnachweis ↗

19. April 2020 · Spätere Aufnahme

19. April 2020

Die Kapelle am 19. April 2020

Die Kapelle am 19. April 2020

Vergleiche Dachform, Giebel und die Einbettung zwischen Bäumen. Was lässt sich in beiden Bildern erkennen?

Rudolfo42 · CC BY-SA 4.0 · Bildnachweis ↗

Bildfassung in Größe und Ausschnitt angepasst · CC BY-SA 4.0.

Zwei echte Fotografien, keine deckungsgleichen Standpunkte. Sie belegen die sichtbaren Zustände von 1911 und 2020; daraus lässt sich nicht jeder Umbau dazwischen rekonstruieren. Das jüngere Bild zeigt keinen tagesaktuellen Zustand.

Die Baugeschichte dazu lesen ↗

EIN BILD. VIELE SPUREN.

Illustrierte Ansichtskarte von 1897 mit Süchtelner Stadtansicht, Irmgardiskapelle, Johannestal und historischem Kreis-Krieger-Denkmal.
Ein Detail entdecken

Die Stadt im Panorama

Kirchtürme und hohe Schornsteine stehen gemeinsam in der Stadtansicht. Die Karte zeigt Süchteln zugleich als Kirchenort und als Ort der Arbeit. Die Ansichten sind zu einer illustrierten Grußkarte zusammengestellt; sie bilden keinen einzelnen fotografischen Blick ab.

Wähle eine Zahl im Bild. Vergrößerte Ansichten kannst du seitlich verschieben; mit der Tastatur fokussierst du das Bildfeld und nutzt die Pfeiltasten. Die Vergrößerung zeigt die vorhandene Bildauflösung, keine ergänzten Details.
Süchtelner Höhen, 1897. Eine historische Ansichtskarte verbindet Stadt, Kapelle und Ausflugslandschaft.Jos. Weber; Sammlung Dr. Albert Pauly; Scan: Neozoon · Public Domain (PD-old) · Original und Bildnachweis ↗

MIT ANDEREN AUGEN NACH DRAUSSEN

Süchteln zum
Hinsehen.

Wähle einen Ort und eine Frage. Die Hinweise helfen beim Betrachten; für Innenräume beachte den tatsächlichen Zugang und die Öffnungszeiten.

St. Clemens

Warum sind Turm und Kirchenschiff unterschiedlich alt?

Vergleiche den spätgotischen Turm mit dem jüngeren Kirchenschiff.

Hochstraße 8, Viersen-Süchteln

Was dieser Ort erzählt

Die Baugeschichte verbindet den Beginn von 1481 mit Erweiterung und Neubau im 19. Jahrhundert.

Von außen betrachten; für den Innenraum Zugang und Gottesdienste beachten.

Propstei und Zehntscheune

Wo wurde aus Ernte eine Abgabe?

Betrachte Wohnhaus und Scheune als zwei Teile einer früheren Verwaltungsstelle.

Propsteistraße, Viersen-Süchteln

Was dieser Ort erzählt

Die Propstei war das Amtshaus des Schultheißen; die Zehntscheune diente der Aufbewahrung von Naturalabgaben. Die erhaltenen Bauten stammen von 1797 und 1771.

Der Komplex ist privat. Nur von öffentlichen Wegen aus betrachten.

Historisches Weberhaus

Wie viel Platz blieb zwischen Wohnen und Arbeiten?

Achte von der Straße auf die Größe des Hauses und seine Fenster.

Butschenweg 31, Viersen-Süchteln

Was dieser Ort erzählt

Die Denkmalbeschreibung erklärt die Verbindung von Wohnraum und Webarbeit. Dieses Haus am Butschenweg ist vom Weberhaus mit Tendyckhaus an der Hochstraße zu unterscheiden.

Privates Wohnhaus; bitte von der Straße aus betrachten.

Irmgardiskapelle

Was erzählt der Bau – und was die Legende?

Betrachte die erhaltene Kapelle und trenne ihre Baugeschichte von den Erzählungen über Irmgardis.

Heiligenberg, Süchtelner Höhen, Viersen

Was dieser Ort erzählt

Die heutige Kapelle stammt von 1664; ein Vorgängerbau ist schon für 1498 bezeugt.

Der Heiligenberg liegt außerhalb des Stadtkerns. Achte auf Wetter und Wege; die Kapelle ist nicht immer geöffnet.

SCHICHT FÜR SCHICHT

Deine Reise
durch die Zeit.

Du kannst von Anfang an lesen oder direkt zu einer Epoche springen.

011116Stadtleben

STADTLEBEN

Süchteln taucht in den Schriftquellen auf

Ein Kölner Kloster gehört zu den frühen schriftlichen Spuren Süchtelns. Der Rheinische Städteatlas nennt 1116 als erste Erwähnung. Der Ort wuchs um einen Fronhof von St. Pantaleon, einen Hof zur Verwaltung des klösterlichen Grundbesitzes. Die Abtei besaß auch Gerichtsrechte. Für die Menschen ging es damit um Land und darum, wer über Streitfälle entscheiden durfte. St. Clemens und die Propsteistraße liegen im später weitergewachsenen Kern. Die Erwähnung datiert keinen Ortsanfang; Menschen lebten schon zuvor in der Gegend.

Die Spur vor deiner Tür

Der historische Kern um St. Clemens und die Propsteistraße führt in die Gegend dieser frühen Ortsentwicklung.

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021304 · Ausbau im 14. JahrhundertStadtleben

STADTLEBEN

Das Kloster besitzt Land, Jülich sichert die Grenze

Die Grafen von Jülich übernahmen Süchteln laut Rheinischem Städteatlas 1304. An den Grenzen zu Kurköln und Geldern war der Ort für sie strategisch wichtig. Die Abtei St. Pantaleon behielt zugleich Grundbesitz und Gerichtsrechte. Landbesitz und politische Herrschaft lagen also nicht einfach in einer Hand. Das erklärt, weshalb sowohl ein Kölner Kloster als auch die Jülicher Herren Süchtelns Entwicklung prägten. Über das genaue Jahr des Herrschaftswechsels unterscheiden sich die Quellen.

Die Spur vor deiner Tür

Der alte Ring und das Kirchumfeld bewahren Spuren von Befestigung, geistlichem Besitz und früher Verwaltung.

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031405Stadtleben

STADTLEBEN

Eine Stadt mit Wall und Graben

1405 ist Süchteln als Ort mit eigener Stadtverwaltung belegt. Wall und Graben schützten die Siedlung an der Grenze verschiedener Herrschaftsgebiete. Wer hineinwollte, musste die wenigen Zugänge benutzen. Ostring und Westring führen noch heute um den alten Kern. Ein Gang entlang dieser Linie macht seine Größe anschaulich: Innerhalb lagen die dicht bebauten Gassen, außen begann ein anderes Umfeld. Das Datum belegt den Stadtcharakter; eine Verleihungsurkunde für genau dieses Jahr ist damit nicht nachgewiesen.

Die Spur vor deiner Tür

Ostring und Westring umschließen bis heute den historischen Ortskern.

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041481Glaube

GLAUBE

Der Turm hat länger durchgehalten

An St. Clemens treffen zwei Bauzeiten aufeinander. Eine Inschrift nennt den 4. April 1481 als Beginn der spätgotischen Kirche. Als das Kirchenschiff im 19. Jahrhundert neu gebaut wurde, blieb der ältere Turm stehen. Der Turm und der Raum für die Gemeinde sind deshalb unterschiedlich alt. Schau beim Vorbeigehen auf die Übergänge zwischen beiden Teilen. Das vertraute Kirchenbild ist über Jahrhunderte entstanden.

Die Spur vor deiner Tür

An St. Clemens, Hochstraße 8, treffen der ältere Turm und das jüngere Kirchenschiff aufeinander.

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051664Glaube

GLAUBE

Eine Kapelle mitten im Wald

Die heutige Backsteinkapelle ließ Abt Aegidius Romanus von St. Pantaleon in Köln 1664 auf dem Heiligenberg errichten. Schon ein Xantener Visitationsbericht von 1498 nennt hier eine Kapelle. Der Vorgängerbau wurde später beschädigt und wieder instand gesetzt, bevor der Neubau entstand. Die Kapelle ist Irmgardis gewidmet und bis heute ein Ziel für Wallfahrten.

Die Irmgardiskapelle zwischen schneebedeckten Bäumen auf dem Heiligenberg in Süchteln
Irmgardiskapelle · Winter 2021 · Foto: Privat · Foto vergrößern ↗

Die Spur vor deiner Tür

Die Irmgardiskapelle steht auf dem Heiligenberg in den Süchtelner Höhen.

Ort & Besuchshinweise ↗
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061608–1669Glaube

GLAUBE

Glauben im Haus, später in der Kirche

Die reformierte Gemeinde bestattete ihre Toten seit 1608 auf einem eigenen Friedhof außerhalb der Stadtmauern. Gottesdienste fanden zunächst in Privathäusern statt. Für 1669 nennt die Denkmalakte die Kirche an der heutigen Hindenburgstraße. Ein eigenes Gotteshaus gab der Gemeinde einen dauerhaften öffentlichen Ort. Auf dem historischen Friedhof an der Merianstraße liegen auch Angehörige von Unternehmerfamilien. Glaubensleben und wirtschaftliche Entwicklung verliefen nicht getrennt: Oft begegnen uns in beiden Geschichten dieselben Familien.

Die Spur vor deiner Tür

Die Kirche an der Hindenburgstraße und der historische Friedhof an der Merianstraße bewahren diese Geschichte.

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071794–1814 · Neuordnung 1798Stadtleben

STADTLEBEN

Neue Ämter unter französischer Herrschaft

Ab 1798 bekam Süchteln eine andere Verwaltungsordnung: Es wurde eine Mairie, eine Bürgermeisterei, im Kanton Neersen. Darüber lagen das Arrondissement Krefeld und das Rur-Departement. Entscheidend ist weniger die französische Wortfolge als der Wechsel dahinter. Der zuvor jülichsche Ort wurde nun nach derselben Ordnung verwaltet wie Nachbarn mit anderer politischer Vergangenheit. Alte Herrschaftsbeziehungen verloren ihre bisherige Funktion; neue Bezirke bestimmten, wo Entscheidungen getroffen wurden.

Die Spur vor deiner Tür

Historische Register erzählen von diesem Verwaltungswechsel; die französischen Bezirksgrenzen bestehen heute nicht mehr.

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081855–1858Glaube

GLAUBE

St. Clemens wird neu gebaut

Die wachsende Gemeinde brauchte mehr Platz in St. Clemens. 1855 begann eine Erweiterung nach Plänen von Vincenz Statz. Als Teile des alten Kirchenschiffs einstürzten, wurde auch dort ein Neubau nötig. 1858 war die Kirche fertig. Der mittelalterliche Turm blieb stehen. Deshalb gehört das heutige Gebäude nicht zu einer einzigen Bauphase: Der neugotische Gemeinderaum steht neben dem älteren spätgotischen Turm.

Die Spur vor deiner Tür

Das neugotische Kirchenschiff von St. Clemens zeigt die Erweiterung neben dem spätgotischen Turm.

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0914. Juli 1906Gemeinschaft

GEMEINSCHAFT

Das Johannistal wird zum Klinikort

Johannistal wurde am 14. Juli 1906 feierlich eingeweiht, nahm aber bereits 1905 Patientinnen und Patienten auf. Das Offene-Tür-System gehörte zum damaligen Versuch, psychiatrische Versorgung anders zu gestalten. Eine Poliklinik bot mittellosen Menschen zudem kostenlose Beratung und Untersuchung ohne stationären Aufenthalt. Die Einrichtung sollte also über ihre eigenen Bewohner hinaus helfen. Aus ihr entwickelte sich der heutige große Klinikstandort. Seine Geschichte umfasst diesen Versorgungsauftrag ebenso wie die spätere Beteiligung an nationalsozialistischen Verbrechen.

Die Spur vor deiner Tür

Das Klinikensemble an der Johannisstraße gehört weiterhin zum Stadtbild. Es ist ein Behandlungsort und verlangt Rücksicht auf Patientinnen und Patienten.

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105. August 1921Gemeinschaft

GEMEINSCHAFT

Zwei Kinder und eine neue Klinik

Zwei kleine Patientinnen aus Köln standen am Anfang: Am 5. August 1921 nahm die orthopädische Anstalt ihren Betrieb auf. Sie war auf Kinder spezialisiert, deren Behandlung eine andere medizinische Aufgabe war als die Versorgung in der älteren psychiatrischen Anstalt. Die räumliche Nähe im Johannistal bedeutet deshalb nicht, dass beide Einrichtungen dieselbe Geschichte haben. Aus der Kinderklinik entwickelte sich die heutige LVR-Klinik für Orthopädie. Süchtelns Kliniklandschaft wuchs durch verschiedene Angebote für Menschen, die aus der Region hierherkamen.

Die Spur vor deiner Tür

Der heutige Klinikstandort liegt an der Horionstraße 2.

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111928Arbeit

ARBEIT

Der Weber bekommt einen Platz im Zentrum

Seit 1928 sitzt der Weber aus Stein gegenüber St. Clemens. Die Figur des Weberbrunnens trägt die Kleidung der Handweber und hält eine große Spule zwischen den Knien. Sie erinnert an die Menschen, die Süchtelns Stoffe herstellten. Viele arbeiteten lange in ihren Wohnhäusern. Schau auf Werkzeug und Haltung: Der Brunnen stellt eine arbeitende Person in den Mittelpunkt eines Orts, dessen Wohlstand eng mit der Textilherstellung verbunden war. An dieser Stelle stand zuvor das alte Süchtelner Rathaus, das 1899 abgebrochen wurde. Ein vor 1899 datierter Bildnachweis im Kreisarchiv nennt neben dem Rathaus auch ein Wegekreuz und eine Handpumpe.

Die Spur vor deiner Tür

Der Weberbrunnen steht an der Hochstraße gegenüber St. Clemens.

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12November 1938Erinnerung

ERINNERUNG

Jüdische Nachbarn werden verfolgt

Im November 1938 griffen Nationalsozialisten jüdische Menschen und ihre Wohnungen in Süchteln an. Zum Ort gehörten eine jüdische Gemeinde und ein Gebetsraum. Die dokumentierten Lebensgeschichten der Familien Baum und Sanders machen deutlich, wen die Gewalt traf: Menschen mit Nachbarn, Arbeit und Familienbeziehungen vor Ort. Die Verfolgung zerstörte dieses Leben gezielt. Die Virtuelle Gedenkstätte verbindet Namen mit ehemaligen Wohnorten und hilft, die Betroffenen als einzelne Menschen wahrzunehmen.

Die Spur vor deiner Tür

Die Virtuelle Gedenkstätte verknüpft ehemalige Wohnorte und den Gebetsraum mit dokumentierten Lebensgeschichten.

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131941–1943Erinnerung

ERINNERUNG

Aus der Klinik werden Menschen in den Tod geschickt

Ab 1941 wurden Patientinnen und Patienten aus Süchteln in Tötungsanstalten gebracht. Die Klinik beteiligte sich an der nationalsozialistischen Verfolgung kranker und behinderter Menschen. In der angegliederten Einrichtung Waldniel-Hostert wurden Kinder ermordet. Der heutige Gedenkort liegt in Schwalmtal. Seine Verbindung zu Süchteln erklärt sich aus der damaligen Organisation: Waldniel gehörte zur Anstalt Johannistal. Die Verantwortung für die Verbrechen lässt sich deshalb nicht auf einen vom Süchtelner Standort getrennten Ort beschränken.

Die Spur vor deiner Tür

Die LVR-Klinik dokumentiert ihre Geschichte. Die Gedenkstätte Waldniel-Hostert liegt im heutigen Schwalmtal, nicht im Stadtteil Süchteln.

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141. Januar 1970Gemeinschaft

GEMEINSCHAFT

Süchteln bleibt ein eigener Mittelpunkt

Seit dem 1. Januar 1970 war Süchteln Teil der neuen Stadt Viersen und keine selbstständige Kommune mehr. Entscheidungen lagen nun bei einer gemeinsamen Stadtverwaltung für Viersen, Dülken, Süchteln und Boisheim. Das änderte die politische Zuständigkeit, aber nicht auf einen Schlag den Alltag: Ortskern, Kirchen, Höhen, Vereine und Nachbarschaften blieben Bezugspunkte. Die Reform erklärt deshalb die heutige Stadtgrenze. Warum Süchteln weiterhin ein eigener Mittelpunkt ist, erklärt seine längere Geschichte.

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Süchtelns Altstadt ist bis heute ein eigener Mittelpunkt innerhalb Viersens.

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