THE VIERSENER · DAS SPORTDOSSIERVIER STADTTEILE / 1848 BIS HEUTE
MENSCHEN. IDEEN. MANNSCHAFTEN.
Das Spiel. Die Stadt. Die Menschen.
Ein Sprungnetz aus der Werkstatt. Eine Halle für die Nachbarschaft. Rivalen, die gemeinsam antreten. Unsere Vereine erzählen davon, was Menschen zusammen aufbauen – und welche Grenzen sie dabei überwinden mussten.
Seit 1906 gab es in Dülken den Arbeiter-Turnverein Frei Heil. Der Polizeibericht vom 2. Oktober 1907 nennt rund 40 Mitglieder, darunter 15 Schüler. Geturnt wurde in der Restauration Brinkmann, Bahnhofstraße 45. Heinz-Gerd Schuh hat diese Überwachung 1993 anhand städtischer Akten nachgezeichnet. ↗
Kontrolle ohne Befund
Der beauftragte Sergeant meldete mehrfach keine nachteiligen Beobachtungen. Trotzdem wollte der Landrat gegen den Turnunterricht vorgehen. Der Bürgermeister verwies darauf, dass der Vorturner unbezahlt arbeitete; die herangezogene Vorschrift betraf gewerblichen Unterricht. Am 11. Dezember 1907 ließ die Regierung in Düsseldorf die Sache ruhen. ↗
Am Ende fehlte der Raum
1910 musste der Verein seine Turnübungen einstellen, weil eine Halle fehlte. Konzerte und Bälle fanden weiter statt. Auch sie wurden überwacht – erneut ohne Anlass zum Einschreiten. Hier entschieden politische Verdächtigungen und fehlende Räume mit darüber, wie Menschen Sport und Gemeinschaft organisieren konnten. ↗
Die Überwachung ist belegt. Ein nachgewiesenes Vergehen nennt dieser Rückblick nicht.
Schuh wertet Akten aus; seine Darstellung ist ein späterer Forschungsbeitrag. Frei Heil wird hier nicht als Vorläufer der heutigen SG ausgegeben.
Der „Dietwart“ sollte den Vereinsalltag politisch durchdringen. Lokale Zeitungsbelege zeigen, wo das sichtbar wurde.
Politik zog ins Training ein
Nach der nationalsozialistischen Gleichschaltung wurde der Dietwart für weltanschauliche Erziehung eingesetzt. Ein Forschungsbeitrag von Heinz-Gerd Schuh nennt zwei lokale Spuren: eine völkische Abschlusskundgebung der Eintracht-Jugend in Dülken 1934 und einen Vortrag über die Saar im Rahser Turnverein 1935. ↗
Die Grenzen des Befunds
Die Vorläufer heutiger Vereine waren Teil dieser Zeit. Die beiden Belege zeigen konkrete öffentliche Vorgänge. Sie verraten nicht, was jedes Mitglied dachte. Schuh betont selbst, dass die tatsächliche Schulungsarbeit in den Archiven selten greifbar ist. ↗
Vereinsgeschichte umfasst auch die politische Vereinnahmung des Sports.
Die Aussagen beziehen sich auf die damaligen Organisationen und Veranstaltungen. Daraus folgt kein Urteil über die heutigen Vereine oder einzelne Mitglieder.
Heimatbuch des Kreises Viersen 2001, S. 204–205 (PDF S. 3–4); Zeitungsbelege für Eintracht Dülken vom 17. März 1934 und Viersen-Rahser vom 15. Januar 1935
Ein Vereinsverzeichnis ist eine Momentaufnahme. Zwei Adressbücher zeigen die Sportlandschaft vor den großen Zusammenschlüssen.
Die Stadt war schon in Bewegung
Im Viersener Adressbuch von 1925 stehen Turnvereine neben Fußball-, Tennis-, Schwimm- und Radfahrvereinen. Der Arbeiterfußballklub Borussia erscheint ebenso wie der Viersener Turnverein 1848. Der Sport war organisatorisch vielfältiger, als die Geschichte weniger großer Vereine vermuten lässt. ↗
Zwei Namen vor ihrer späteren Fusion
Das Dülkener Verzeichnis von 1930/31 führt Turnverein 1860 und Turnverein Eintracht getrennt auf. Es ist ein zeitgenössischer Beleg für beide Organisationen, Jahrzehnte vor ihrem Zusammenschluss. Ein Eintrag belegt ihre damalige Existenz, aber weder Mitgliederzahl noch sportlichen Erfolg. ↗
Alte Verzeichnisse öffnen den Blick für verschwundene Namen und unterschiedliche Sportmilieus.
Eine Liste ist kein vollständiges Bild des Vereinslebens. Sie nennt Vorstände und Anschriften, nicht die Erfahrungen aller Sporttreibenden.
Ein Verein gerät unter Polizeiaufsicht, gründet später eine Feuerwehr und baut sich schließlich eine eigene Halle.
18482 Min. LesezeitTurnenPolitikOrte
Ein Name im Adressbuch von 1925
Im Viersener Vereinsverzeichnis von 1925 steht der VTV neben Schwimmverein, Tennis und Arbeiterfußball. Das Adressbuch zeigt damit den Sport einer bestimmten Zeit: Mehrere Vereine und verschiedene soziale Traditionen existierten nebeneinander. Die heutige Vereinslandschaft ist nicht einfach seit den ersten Gründungen unverändert geblieben.[4]
Ein Anfang mit Unterbrechung
1848 wurde der Viersener Turnverein gegründet, 1849 wieder aufgelöst. Das Denkmalgutachten zur Halle nennt Polizeiaufsicht und Hausdurchsuchungen im Zusammenhang mit den politischen Unruhen von 1848/49. Turnen war also nicht vom politischen Geschehen getrennt. Erst 1858 kam es zur Neugründung. Die Jahreszahl im Namen erinnert an den ersten Anfang; sie belegt keinen durchgehenden Vereinsbetrieb seit 1848.[1]
Turner werden Feuerwehrleute
Am 3. Oktober 1867 beschloss die Generalversammlung des VTV, eine Turnerfeuerwehr zu gründen. Aus dem Sportverein entstand damit eine Aufgabe für die ganze Stadt. Die Freiwillige Feuerwehr Viersen führt ihren Ursprung auf diesen Tag zurück. August von Jüchen wurde ihr erster Chef. 1868 bekam die Wehr eine eigene Feuerspritze, vier Hornisten alarmierten sie. Die Feuerwehrchronik beschreibt diese Verbindung zwischen Vereinsleben und öffentlicher Hilfe.[2]
Warum die Festhalle nicht reichte
Der VTV turnte zunächst unter anderem in einem Garten und auf einem Hotelhof, ab 1879 auch in der Schulturnhalle an der Wilhelmstraße. Später nutzte er die städtische Turn- und Festhalle. Dort verdrängten Theater und Veranstaltungen zunehmend die Übungsabende. Eine eigene Halle sollte verlässlichen Raum schaffen. An der Gereonstraße wurde 1927 der Grundstein gelegt; am 2. und 3. Juni 1928 eröffnete der Bau. Nach 1945 diente er zeitweise als Lebensmittellager und Unterkunft für Geflüchtete. Seine Aufgaben gingen damit weit über das Turnen hinaus.[1]
Eine Halle, viele Nachbarn
Eine städtische Vorlage von 2025 beschreibt die Halle als Ort für Schulsport und Übungen weiterer Vereine. Der eigene Bau schuf also auch Raum für andere. Darin liegt ein wichtiger Teil der VTV-Geschichte: Die Halle verbindet einen einzelnen Verein mit dem Alltag in der Südstadt. Ergebnisse und Meisterschaften allein würden diese Rolle nicht erklären.[3]
BEVOR DIE EIGENE HALLE KAM
Die Festhalle bot dem VTV zeitweise Raum. Als Veranstaltungen die Übungsabende zunehmend verdrängten, plante der Verein seinen eigenen Bau.
Ein Fischernetz. Drei Vereinswurzeln. Große Sprünge.
Ein Turnfest von 1897 hinterlässt eine Spur im Archiv. Jahrzehnte später bauen Süchtelner ihr eigenes Trampolin. Der heutige ASV führt drei Vereinswurzeln zusammen.
1860 · 1903 · 19062 Min. LesezeitTurnenErfindergeistFrauen im Sport
Drei Anfänge, ein heutiger Verein
Drei Vereine stehen am Anfang des heutigen ASV. Der Süchtelner Turnverein von 1860 wurde 1867 zur Turnerschaft Germania. Daneben entstanden der FC Süchteln 03 und 1906 der TV Einigkeit Süchteln-Vorst. 1969 schlossen sich Germania und Fußballclub zum ASV Süchteln zusammen. Am 13. Mai 1985 folgte die Gründungsversammlung des ASV Einigkeit mit dem Vorster Turnverein. Die ältesten Jahreszahlen benennen daher die Wurzeln, nicht den Geburtstag einer seitdem unveränderten Organisation.[2]
1897: Süchteln lädt zum Turnfest
Im Kreisarchiv Viersen ist ein Gruppenfoto verzeichnet, dessen Beschriftung an ein Turnfest in Süchteln am 12. und 13. Juni 1897 erinnert. Der Katalog nennt das erste Verbands-Turnfest des niederrheinischen Grenzturnverbandes. Ein Verbandsfest bringt den Sport mehrerer Vereine zusammen; Süchteln erscheint hier als Treffpunkt. Wer auf diesem Foto steht, bleibt offen: Der Archivnachweis kennt weder den Verein noch seine örtliche Zugehörigkeit. Es lässt sich deshalb nicht als Aufnahme der Germania oder eines Vorläufers des heutigen ASV ausgeben.[1]
Ein Sprunggerät aus der Werkstatt
1948 bauten Sportler in der Werkstatt von Peter Geusen ein Holztrampolin. Erich Bersch knotete das Sprungnetz nach Art eines Fischernetzes. Die Konstruktion hielt die ersten Probesprünge nicht aus; 1949/50 folgte ein Gerät aus Metallrohren. So beschreibt es die Abteilungschronik. 1951 begann das Trampolinturnen in der Turnerschaft Germania. 1963 fuhr ein mobiles Gerät im Süchtelner Rosenmontagszug und beim Deutschen Turnfest in Essen mit. Der Sport entstand hier mit Werkstattarbeit und einem Eigenbau, bevor er zum festen Angebot wurde.[3]
Frauen prägen die Abteilung
1967 wurde Ulrike Schreven Rheinische Meisterin. Ursula Schori gewann 1968 den rheinischen Titel und beim Deutschen Turnfest. Von 1973 bis 1981 nennt die Chronik Ursula Huppertz als erste Trampolinwartin, also Verantwortliche für die Abteilung. Zum 25-jährigen Jubiläum trafen 1976 Deutschland und Frankreich in Süchteln aufeinander. Diese Namen und Aufgaben zeigen, wie Frauen Wettkampf und Vereinsarbeit prägten. Die Geschichte des ASV lässt sich deshalb nicht allein über seine Fußballmannschaften erzählen.[3]
LV Lichtbilder Viersen, DF 5/7641 · Katalogdatierung Juni 1897; Festdatum aus der dort beschriebenen Beschriftung. Originalfoto nicht eingesehen; Verein und Personen unbekannt.
Bei der SG Dülken führen zwei ältere Turnvereine zusammen. Eine Abteilungsgeschichte zeigt, warum Sport sich auch verändern muss.
1860 · 18952 Min. LesezeitTurnenZusammenschlüsseAlltag
Vor der Fusion: zwei Vereine im Verzeichnis
Im Dülkener Adressbuch von 1930/31 stehen Turnverein 1860 und Turnverein Eintracht noch getrennt. Das ist eine zeitgenössische Bestätigung der beiden Vorläufer. Wer den heutigen Vereinsnamen liest, sieht bereits das spätere Ergebnis: zwei ältere Vereine, die erst Jahrzehnte danach zusammenkamen.[1]
1934: eine politische Kundgebung
Heinz-Gerd Schuh beschreibt eine völkische Abschlusskundgebung der Eintracht-Jugend im Germania-Saal. Er verweist auf die Vereinigte Dreistädte-Zeitung vom 17. März 1934. Damit ist politische Vereinnahmung im örtlichen Vereinsleben dokumentiert. Der Beleg betrifft die damalige Eintracht und diese Veranstaltung. Über die Haltung jedes einzelnen Mitglieds sagt er nichts aus.[2]
Die zwei Jahreszahlen im Namen
TV 1860 Dülken und TV Eintracht 1895 sind die beiden Wurzeln der Sportgemeinschaft. 2019 feierte die SG den 50. Jahrestag ihres Zusammenschlusses, der damit auf 1969 fällt. Die älteren Jahreszahlen bleiben im Namen sichtbar, während die gemeinsame Organisation jünger ist. Das erklärt, weshalb in einer Vereinsgeschichte mehrere Gründungsdaten auftauchen können, ohne einander zu widersprechen.[3]
Ein Pokal, dann eine Pause
Die Volleyballabteilung entstand laut Chronik in den 1980er-Jahren. Ende der 1990er gab es zwei Herrenmannschaften, ein Frauenteam und zwei weibliche Jugendteams. 2000/01 gewann eine Herrenmannschaft erstmals den Kreispokal. Trotzdem ruhte der Abteilungsbetrieb von Oktober 2001 bis März 2003. Der Rückblick hält damit Erfolg und Unterbrechung nebeneinander fest. Ein Pokalsieg allein sagt noch nicht, wie dauerhaft sich Training und Spielbetrieb organisieren lassen.[4][5]
Wenn lange Fahrten den Sport verändern
2003 begann die Abteilung erneut. Zwei Jahre später endete der leistungsorientierte Herren-Spielbetrieb wieder; die Chronik nennt wachsenden Zeitaufwand und lange Fahrten als Gründe. Mit zurückkehrenden Spielerinnen entstand eine gemischte Mannschaft, 2009 kam eine zweite hinzu. Die Reaktion auf die Schwierigkeiten war somit ein anderes Sportangebot. Der Verein passte die Form des Spielens an das an, was seine Mitglieder im Alltag leisten konnten.[4]
Heimatbuch des Kreises Viersen 2001, S. 204–205 (PDF S. 3–4); Zeitungsbelege für Eintracht Dülken vom 17. März 1934 und Viersen-Rahser vom 15. Januar 1935
Als Rivalen gemeinsam gegen Bundesligisten spielten.
Aus Grün-Weiß und Germania wird ein gemeinsamer Verein. Zwei Pokalduelle bringen den Viersener Fußball auf die nationale Bühne.
Zusammenschluss 19692 Min. LesezeitFußballZusammenschlüsseWettkampf
Die Entscheidung für einen gemeinsamen Verein
Am 27. Juni 1969 schlossen sich VfL Grün-Weiß Viersen und FC Germania Viersen zusammen. Grün-Weiß hatte nach der Vereinsdarstellung lange höherklassig gespielt. Ab 1967 trafen die früheren Rivalen in der Bezirksliga aufeinander. Die Fusion sollte Kräfte bündeln und einen Weg nach oben eröffnen. Der heutige 1. FC entstand aus dieser Entscheidung. Die „05“ im Namen bezeichnet deshalb nicht das Gründungsjahr des zusammengeschlossenen Vereins.[1]
Ein Meister zu Gast im Pokal
Am 30. Juli 1977 empfing der 1. FC Viersen Borussia Mönchengladbach in der ersten Runde des DFB-Pokals. Der DFB verzeichnet ein 0:8. Sportlich war das Ergebnis eindeutig. Die Paarung erklärt dennoch, weshalb der Pokal im Vereinsrückblick einen besonderen Platz hat: Ein lokaler Amateurverein traf in einem nationalen Wettbewerb auf den Bundesligisten.[2]
Karlsruhe brauchte zwei Spiele
Gegen den Karlsruher SC erreichte Viersen am 30. August 1980 ein 2:2 nach Verlängerung. Damals wurde ein solches Unentschieden durch ein Wiederholungsspiel entschieden. Am 23. September gewann Karlsruhe dieses zweite Spiel mit 2:1. Viersen schied aus, hatte die Entscheidung aber über zwei Begegnungen offengehalten. Beide Ergebnisse und Daten stehen im DFB-Datencenter. Sie gehören zur Saison 1980/81, obwohl beide Spiele noch 1980 stattfanden.[3]
Ein schwieriger Anfang. Später spielen die Frauen groß auf.
Die Gründung unter der NS-Herrschaft gehört ebenso zur Geschichte wie Regionalliga-Handball und der Neustart des Kinderturnens.
19342 Min. LesezeitHandballPolitikFrauen im Sport
1934 lässt sich nicht losgelöst erzählen
Das Jubiläumsheft von 2024 beschreibt, wie die katholische DJK Rhenania Boisheim Ende 1933 aufhörte zu bestehen. Beim Aufbau des TV Boisheim 1934 wirkte anschließend ein Funktionär der Deutschen Turnerschaft aus Krefeld mit; ein provisorischer Vorstand wurde vorgestellt. Grundlage des Rückblicks ist ein handschriftlicher Bericht des Gründungsmitglieds Josef Clemens. Der Vereinsanfang gehört damit in den politischen Druck der NS-Herrschaft. Die Darstellung erklärt den Ablauf, aber nicht die persönliche Haltung sämtlicher Beteiligten.[1]
Ein Verbot, zwei verschiedene Zeitpunkte
Die ältere Chronik verbindet 1933 mit einem reichsweiten DJK-Verbot. Die Verbandsgeschichte datiert das endgültige Verbot jedoch auf den 23. Juli 1935. Beides muss auseinandergehalten werden: Der lokale Verein Rhenania endete laut Jubiläumsheft bereits Ende 1933; die Ausschaltung des gesamten katholischen Sportverbandes war ein späterer Schritt. Diese Unterscheidung macht verständlich, weshalb örtliche und überregionale Rückblicke verschiedene Daten nennen.[2][1][3]
Die Frauen erreichen die Regionalliga
Nach der Trennung vom TSV 1962 half die 1968 eröffnete Schulturnhalle beim Wiederaufbau. In den 1970er-Jahren lebte der Handball wieder auf. 1981 erreichten die Frauen unter Heiner Heithausen die Regionalliga und hielten sich dort laut Chronik sechs Jahre. Anneliese Tissen leitete seit 1978 eine Frauensportgruppe. Ende der 1980er brachte Petra van Kessel das Mutter-Kind-Turnen neu in Gang; 1991 entstand wieder ein Handballjugendteam. Wettkampf, Bewegung im Alltag und der Einstieg von Kindern wuchsen damit nebeneinander.[2]
Eine frühe Fußballwiese, eine gescheiterte Vereinsfusion und ein Sportplatz, an dem Gemeindegrenzen plötzlich wichtig werden.
Fußballwurzeln 19122 Min. LesezeitFußballZusammenschlüsseOrte
1912 ist eine Fußballwurzel
Der Jubiläumsrückblick beginnt mit dem FC Germania, gegründet 1912 in der Brötsch-Kull. Kurz darauf entstand Olympia mit einem anderen Spielfeld. Später nutzten die Fußballer das von St. Peter gepachtete Gelände an der Brüggener Straße. Neugründungen und Zusammenschlüsse führten erst nach und nach zum heutigen Verein. Das Jahr 1912 bezeichnet deshalb die älteste genannte Fußballwurzel in Boisheim, keine seitdem unveränderte Organisation.[1]
Zusammengehen kann auch scheitern
1950 verließen die Fußballer den TV Boisheim. 1958 kamen Turnverein und Sportgemeinschaft im TSV wieder zusammen. Schon 1962 trennten sich die Turner erneut und belebten den TV. Beide Vereinsrückblicke berichten aus ihrer eigenen Perspektive über Konflikte um Halle und Sportbetrieb. Die Trennung erklärt, warum heute zwei Vereine bestehen. Ein Zusammenschluss musste die unterschiedlichen Bedürfnisse im Alltag tragen; ein gemeinsamer Name allein reichte dafür nicht.[1][2]
Der Ort passt nicht in eine einzige Stadtgrenze
Im Vereinsheft vom 17. September 2017 berichtete Vorsitzender Manfred Wynands von den ersten Heimspielen auf dem neuen Naturrasen. Nach seiner Darstellung liegt der Platz auf Nettetaler Gebiet und gehört der Kirchengemeinde St. Peter Boisheim. Beim Umbau wurde diese Konstellation zur Hürde. Der Verein gehörte zu Viersen, das Gelände lag in einer anderen Stadt, Eigentümerin war die Boisheimer Pfarre. Der Fall erklärt, weshalb bei einem örtlichen Sportplatz mehrere Zuständigkeiten zusammenkommen konnten.[3]
Fußball braucht Platz. Und Menschen, die ihn möglich machen.
In Heimer beginnt die Geschichte auf einer Wiese. Beim Neustart der Concordia werden später Bälle, Tore und Grundstücke zusammengetragen.
1907 · Zusammenschluss 20022 Min. LesezeitFußballZusammenschlüsseOrte
Noch ohne Umkleide
Im Sommer 1907 wurde im Lokal Wilhelm Coenens in Heimer der FC Sturm 07 gegründet. Die Chronik von Paul Mrochen berichtet, dass die Spieler bereits in Sportkleidung zur Wiese im Heemer Brock gingen: Eine Umkleide gab es nicht. Anton Jansen, erster Vorsitzender und Textilkaufmann, warb über seine Kontakte für den jungen Fußball. 1908 hieß der Verein Schwarz-Weiß Helenabrunn. Der heutige Name entstand später; die Anfänge lagen auf einer Wiese und in den Verbindungen der Menschen vor Ort.[1]
Eine Gaststätte und ein Stück Land
Für den Neustart der Concordia im Januar 1954 musste zunächst ein Platz her. Gastwirt Hans Thevessen stellte Land bereit; im Gegenzug sollte die Gaststätte Waldfrieden Vereinslokal werden. Heinrich Toholt verpachtete eine weitere Parzelle. Mitglieder spendeten Fußbälle, ein ungenannter Unterstützer die Tore. Die Chronik beschreibt damit sehr konkret, wovon ein Spielbetrieb abhing: Grundstück, Material und Menschen, die beides zur Verfügung stellten.[2]
Der Platz allein genügte nicht
Concordia wollte neben Fußball auch Turnen und Tischtennis anbieten. Die Turnabteilung musste wegen fehlender Säle aufgeben; 1958 endete auch Tischtennis mangels Trainingsmöglichkeiten. Ein Sportangebot brauchte nicht nur interessierte Mitglieder, sondern geeignete Räume. Am 22. März 2002 schlossen sich FC Blau-Weiß 07 Helenabrunn und FC Concordia Viersen zum BWC zusammen. Der heutige Verein verbindet mehrere örtliche Traditionen, in denen die Platzfrage immer wieder über Möglichkeiten und Grenzen des Sports entschied.[2][3]
Die Satzung bewahrt zwei Vereinswurzeln. Eine davon führt ausdrücklich in den Rahser, die andere zu den Sportfreunden von 1901.
1901 · 19102 Min. LesezeitTurnenZusammenschlüsseAlltag
Was 01/10 tatsächlich bedeutet
Die Satzung nennt in § 1.2 zwei Vorläufer: Turn- und Sportfreunde Viersen von 1901 und Turn- und Spielverein Viersen/Rahser von 1910. Aus ihrem Zusammenschluss entstand der TuS. „01/10“ bewahrt damit beide Anfänge im Namen. Ein Datum für die gemeinsame Gründungsversammlung nennt dieser Absatz nicht. Die Zahlen erklären die Herkunft des Vereins, ohne alle Schritte seiner Entstehung zu datieren.[2]
1935: Schulung im Rahser
Ein Zeitungsbericht vom 15. Januar 1935 behandelte einen nationalsozialistischen Saar-Vortrag des Dietwarts im damaligen Rahser Turnverein. Der Dietwart war für weltanschauliche Schulung zuständig. Heinz-Gerd Schuh führt den Bericht als örtlichen Beleg für politische Schulung im Sport an. Der Vorgang zeigt, wie die NS-Herrschaft auch Vereinsveranstaltungen für ihre Ziele nutzte. Er betrifft den damaligen Rahser Verein und ist keine pauschale Aussage über alle späteren TuS-Mitglieder.[1]
Eine Stadtgeschichte im Vereinsnamen
Der Rahser erscheint ausdrücklich im Namen eines Stammvereins. Die Vereinsgeschichte führt damit nicht nur in einen der vier großen Stadtteile, sondern in eine konkrete Nachbarschaft. § 2 der Satzung nennt Freizeit- und Breitensport ebenso wie leistungsorientiertes Training und Wettkämpfe. Schon der festgeschriebene Vereinszweck reicht somit über den Erfolg einzelner Mannschaften hinaus: Menschen sollen auf unterschiedliche Weise Sport treiben können.[2]
Wo die Geschichte in den Alltag führt
Eltern-Kind-Turnen, Fitness, Badminton und Basketball gehören zu den Angeboten auf der Vereinsseite. Für deinen Einstieg ist entscheidend, welche Gruppe zu dir passt und wann sie trainiert. Das Vereinsprofil führt zu den Angeboten und zum Kontakt. Dort kannst du nach einem ersten Besuch fragen. Die älteren Jahreszahlen erklären die Geschichte; die passende Gruppe ist der Zugang zum heutigen Vereinsleben.[3]
Heimatbuch des Kreises Viersen 2001, S. 204–205 (PDF S. 3–4); Zeitungsbelege für Eintracht Dülken vom 17. März 1934 und Viersen-Rahser vom 15. Januar 1935
Du möchtest einen Verein kennenlernen oder ein Spiel besuchen? Die Vereinsprofile führen dich zu Angeboten und Kontakt. Im Lokalsport findest du die nächsten bestätigten Termine.