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Termine. Orte. Geschichten.
Boisheim
Die vier Ortsgeschichten

BOISHEIM · EINE ORTSGESCHICHTE

Boisheim: Kleines Dorf, weite Wege

Eine Kirche im Umbau, Materialsuche bis nach Darmstadt und eine Lehrerin unter politischem Druck: Boisheims Geschichte reicht weit über das Dorf hinaus.

Pfarrkirche St. Peter in Viersen-Boisheim
Foto: Rudolfo42 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Boisheim verstehen

Boisheim wird leicht auf Kirche, Höfe und Dorfgröße reduziert. Dabei änderten neue Straßen und die Bahn, wohin Menschen und Waren gelangten – und in welche Richtung der Ort wuchs. Eine Anzeige für einen Waggon Flechtgras zeigt den Versuch, überregional Material zu beschaffen; spätere Stuhl-, Schuh- und Zigarrenbetriebe erzählen von Arbeit jenseits der Landwirtschaft. Auch die große Politik blieb nicht außerhalb des Dorfes: Maria Kürvers erlebte im Schuldienst, wie die NSDAP beruflichen Druck ausübte. 1970 wurde Boisheim Teil einer größeren Stadt. Dass Menschen viel später gemeinsam das BoDo aufbauten, zeigt eine andere Form örtlicher Gestaltung: den Alltag selbst in die Hand nehmen.

3 große Erzählungen14 historische Stationen33 Quellen zum Weiterlesen

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DER ORT AUF EINEN BLICK

Ein Dorf, das Verbindungen schafft.

Beginne an St. Peter. Eine Inschrift, ein alter Plan und der Weg zum Bahnhof erzählen dir mehr vom Dorf.

  1. Die Kirche sah früher anders aus

    St. Peter wurde 1898 erweitert. Eine Zeichnung von 1891 zeigt noch den alten Westturm. Wenn du den Plan mit der heutigen Kirche vergleichst, wird der Umbau verständlich.

    Die Geschichte dahinter ↘
  2. Das Dorf war gut verbunden

    Straßen und der Bahnanschluss von 1866 verbanden Boisheim mit anderen Orten. Wie weit die Geschäfte reichten, zeigt eine kleine Anzeige: 1892 suchte ein Boisheimer in einer Darmstädter Zeitung Material für Stuhlsitze.

    Die Geschichte dahinter ↘
  3. Menschen machten den Unterschied

    Die Briefe der Lehrerin Maria Kürvers erzählen von Schule, Haft und einem Neubeginn. Jahrzehnte später nahmen Boisheimer eine andere Aufgabe selbst in die Hand: Mit BoDo schufen sie einen Laden und Treffpunkt.

    Die Geschichte dahinter ↘
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HINTER DEN FASSADEN

Was hier geschah.
Und warum es zählt.

Wie Menschen arbeiteten, Macht ausübten oder ihr Leben neu anfangen mussten. Etwa 9 Minuten zum Eintauchen.

St. Peter: Die Kirche, die nicht in eine Jahreszahl passt

1487 steht an der Kirche. Ihr heutiger Turm stammt aus einer anderen Bauphase. Ein alter Plan macht sichtbar, wie Boisheim einen vertrauten Mittelpunkt veränderte, ohne ganz neu anzufangen.

Ergänzt am .

1891 · Abbildung 6

Die Kirche vor ihrem großen Umbau

Grundriss und Querschnitt von St. Peter, veröffentlicht 1891. Der Plan hält die ältere Kirche fest, bevor sie 1898 nach Westen erweitert wurde und der alte Turm wich.

Genauer hinsehen

Oben siehst du einen Schnitt durch die drei Schiffe, unten den Grundriss mit kräftigen Wänden und schlanken Pfeilern. Suche den alten Turm am unteren Ende des Plans.

Einordnung zum Bild

Das ist eine historische Bauaufnahme, keine Darstellung der heutigen Kirche. Der Buchausschnitt bewahrt Linien, Maßstab und Bildunterschrift der Originalseite.

HISTORISCHES ORIGINAL · 1891 · Abbildung 6

Die Kirche vor ihrem großen Umbau

Gedruckte Bauaufnahme

Grundriss und Querschnitt von St. Peter, veröffentlicht 1891. Der Plan hält die ältere Kirche fest, bevor sie 1898 nach Westen erweitert wurde und der alte Turm wich.

Oben siehst du einen Schnitt durch die drei Schiffe, unten den Grundriss mit kräftigen Wänden und schlanken Pfeilern. Suche den alten Turm am unteren Ende des Plans.

Bildnachweis & Einordnung

Das ist eine historische Bauaufnahme, keine Darstellung der heutigen Kirche. Der Buchausschnitt bewahrt Linien, Maßstab und Bildunterschrift der Originalseite.

In: Paul Clemen, Die Kunstdenkmäler des Kreises Kempen, 1891, S. 13

Ausschnitt der gedruckten Seite 13, Abbildung 6; Digitalisat: Internet Archive / Wikimedia Commons.

Gemeinfrei · Public Domain · Bildnachweis ↗

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Wer nach dem Alter von St. Peter fragt, bekommt mehr als eine Antwort. Eine Boisheimer Kapelle steht bereits in einer kirchlichen Aufzeichnung, die zwischen 1258 und 1291 angelegt wurde. Das datiert den Gottesdienstort, noch nicht die heute erhaltenen Mauern. Auch die in der Denkmalbeschreibung als umstritten bezeichnete Urkunde von 1304 betrifft Rechte der Abtei St. Pantaleon. Schriftliche Erwähnung, kirchliche Zuständigkeit und Baugeschichte laufen hier auf verschiedenen Zeitspuren.1

Germania Sacra verzeichnet eine Kapelle um 1290 und eine Pfarrei für 1376. Damit hatte sich die örtliche kirchliche Organisation verändert: Aus einem Gottesdienstort war eine eigene Pfarrei geworden. Sie gehörte zum Dekanat Süchteln, einem Kirchenbezirk. Wer den Pfarrer vorschlagen durfte, entschied jedoch der Abt von St. Pantaleon in Köln. Dieses Patronatsrecht verband den Alltag der Dorfkirche mit einer Institution weit außerhalb Boisheims.3

1891 · Abbildung 7

Gesichter im Stein

Die gleiche Veröffentlichung hielt auch den Taufstein fest. Köpfe am Beckenrand, Säule und Umriss werden zu einer eigenständigen Zeichnung – ein zweiter Blick auf den Kirchenraum.

Genauer hinsehen

Vergleiche die unterschiedlich ausgearbeiteten Gesichter am Rand des Beckens. Die Zeichnung macht ein Ausstattungsstück zum Mittelpunkt, das im Grundriss kaum auffällt.

Einordnung zum Bild

Die Zeichnung dokumentiert den 1891 beschriebenen Gegenstand. Sie allein bestätigt nicht seinen heutigen Standort oder Erhaltungszustand.

HISTORISCHES ORIGINAL · 1891 · Abbildung 7

Gesichter im Stein

Gedruckte Detailzeichnung

Die gleiche Veröffentlichung hielt auch den Taufstein fest. Köpfe am Beckenrand, Säule und Umriss werden zu einer eigenständigen Zeichnung – ein zweiter Blick auf den Kirchenraum.

Vergleiche die unterschiedlich ausgearbeiteten Gesichter am Rand des Beckens. Die Zeichnung macht ein Ausstattungsstück zum Mittelpunkt, das im Grundriss kaum auffällt.

Bildnachweis & Einordnung

Die Zeichnung dokumentiert den 1891 beschriebenen Gegenstand. Sie allein bestätigt nicht seinen heutigen Standort oder Erhaltungszustand.

In: Paul Clemen, Die Kunstdenkmäler des Kreises Kempen, 1891, S. 13

Ausschnitt der gedruckten Seite 13, Abbildung 7; Digitalisat: Internet Archive / Wikimedia Commons.

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Der Plan zeigt den Turm, der verschwand

1891 veröffentlichte Paul Clemen Beschreibung, Grundriss und Querschnitt von St. Peter in den Kunstdenkmälern des Kreises Kempen. Der Grundriss zeigt die Räume von oben, der Querschnitt ihren Aufbau. Clemen hielt damit einen Zustand fest, der nur noch wenige Jahre bestehen sollte. Suche den alten Westturm auf der Zeichnung und vergleiche seine Lage mit der heutigen Kirche. Der Unterschied ist kein Zeichenfehler: Vor dir liegen zwei verschiedene Bauphasen.2

Auch den Taufstein mit seinen Köpfen und Formen zeichnete Clemen. Die Kirche beschrieb er als gotischen Bau mit drei Schiffen, also nebeneinanderliegenden Raumbereichen, und einem Westturm. Seine Aufnahme bewahrte die große Raumordnung ebenso wie ein einzelnes Stück der Ausstattung. Was 1891 vorhanden war, lässt sich dadurch genauer ansehen. Dass jedes beschriebene Stück noch heute an derselben Stelle steht, ist damit allerdings nicht gesagt.2

1898 erweiterten die Kölner Architekten Rüdell und Odenthal St. Peter nach Westen. Der alte Turm wurde abgebrochen, das ältere Langhaus blieb Teil des größeren Baus. Ein vertrauter Mittelpunkt wurde also nicht einfach ersetzt, sondern weitergebaut. Clemens Zeichnung lässt erkennen, wie tief dieser Eingriff ging: Proportionen und Außenansicht änderten sich, während ein wesentlicher Teil der älteren Kirche weitergenutzt wurde.1

1487 bleibt sichtbar

An der Nordseite steht die Jahreszahl 1487. Backstein, Tuffsteinbänder und Fensterformen helfen dabei, den älteren Bau in der veränderten Kirche wiederzufinden. Die Denkmalbeschreibung stellt St. Peter in eine spätgotische Baugruppe mit Kirchen in Amern, Waldniel und Dilkrath. Boisheims Kirche hatte also bauliche Verwandte in der Nachbarschaft. Der Rundgang führt vom großen Datum an der Wand zu einer genaueren Frage: Welcher Teil des Gebäudes gehört eigentlich dazu?1

Auch die Verbindung nach Köln braucht Einordnung. Die Dekanatsübersicht nennt für Boisheim St. Pantaleon und für Dülken die Gladbacher Abtei. Solche Kirchenrechte bestimmten aber nicht automatisch die politische Zugehörigkeit. Ein Pfarrer konnte aus Köln vorgeschlagen werden, während der Ort unter Jülicher Landesherrschaft stand. Die verschiedenen Zuständigkeiten waren keine Ausnahme von der alten Ordnung; sie waren ein Teil davon. St. Peter erzählt deshalb zugleich eine Baugeschichte und eine Geschichte geteilter Macht.3

Die Ausstattung erzählt mit

St. Peters Geschichte steckt auch in der Ausstattung. Das Kreisarchiv dokumentiert eine aus Eichenholz geschnitzte Madonna mit Kind aus der Kirche und datiert die Figur auf etwa 1500.4

LIES SELBST

Originaldokument
1891 · Gedruckte Bauaufnahme, S. 13

Grundriss und Querschnitt vor der Erweiterung

Im Boisheim-Kapitel stehen Zeichnung und Beschreibung nebeneinander. Buchseite 13 findest du auf PDF-Seite 33.

Worauf du beim Lesen achten kannst
  1. Suche Abbildung 6 mit Grundriss und Querschnitt von St. Peter.
  2. Vergleiche die Beschreibung des damaligen Westturms mit der Erweiterung von 1898.
  3. Beachte Abbildung 7: Der Taufstein erhält eine eigene Aufnahme.

Welche Bauphase fällt beim ersten Blick auf die heutige Kirche am stärksten auf?

Digitalisierte historische Ausgabe · Internet Archive / Wikimedia Commons · ansehen ↗

Kennst du jemanden, den das interessiert?

Einordnung und offene Fragen

Kapellenerwähnung, Nachweis einer Pfarrei und Bauinschrift bezeichnen unterschiedliche Vorgänge. Die Urkunde von 1304 ist im Denkmaltext als umstritten markiert; daraus folgt kein gesichertes Gründungsjahr.

DAS HÄNGT ZUSAMMEN

Ein anderer Blick darauf.

Quellen zu dieser Geschichte · 4
  1. 1.Stadt Viersen · Denkmalbeschreibung St. Peter nach Eva Brües; eingetragen am 5. Dezember 1991 ↗
  2. 2.Paul Clemen · Die Kunstdenkmäler des Kreises Kempen, 1891, S. 12–14 ↗
  3. 3.Wilhelm Classen · Germania Sacra, Archidiakonat Xanten, 1938, S. 40–41 ↗
  4. 4.Kreisarchiv Viersen · Madonna mit Kind aus St. Peter, Eichenholz, um 1500; LV 8/947 ↗

Ein Waggon Flechtgras für Boisheim

1892 suchte Ferd. Kölges Material für Stuhlsitze – gleich einen ganzen Waggon. Seine Anzeige in einer Darmstädter Zeitung öffnet den Blick auf ein Dorf, das längst überregional Geschäfte machte.

Aufnahme aus dem 21. Jahrhundert

Ein Dorf bekommt Anschluss

Die Bahnstrecke am Bahnhof Boisheim auf einer jüngeren Aufnahme. Gleise und Bahnsteig machen sichtbar, wie der Ort mit Wegen verbunden ist, die weit über das Dorf hinausführen.

Genauer hinsehen

Folge den Gleisen bis zum Bahnübergang. Die Geschichte von 1866 bekommt hier einen Ort, den du im Dorf wiederfinden kannst.

Einordnung zum Bild

Das ist keine Aufnahme der Bahnhofseröffnung von 1866. Die Datumsangaben der Commons-Datei sind uneinheitlich; das Foto zeigt außerdem keine verbindlichen heutigen Besuchsbedingungen.

ORT DER GESCHICHTE · Aufnahme aus dem 21. Jahrhundert

Ein Dorf bekommt Anschluss

Ortsaufnahme

Die Bahnstrecke am Bahnhof Boisheim auf einer jüngeren Aufnahme. Gleise und Bahnsteig machen sichtbar, wie der Ort mit Wegen verbunden ist, die weit über das Dorf hinausführen.

Folge den Gleisen bis zum Bahnübergang. Die Geschichte von 1866 bekommt hier einen Ort, den du im Dorf wiederfinden kannst.

Bildnachweis & Einordnung

Das ist keine Aufnahme der Bahnhofseröffnung von 1866. Die Datumsangaben der Commons-Datei sind uneinheitlich; das Foto zeigt außerdem keine verbindlichen heutigen Besuchsbedingungen.

Stefan Flöper

Wikimedia Commons; Bildgröße und Dateiformat angepasst, ohne inhaltliche Veränderungen. Diese Fassung steht unter derselben Lizenz.

CC BY-SA 4.0 · Bildnachweis ↗

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Ferd. Kölges aus Boisheim suchte Angebote und Muster für Flechtgras. Nicht ein paar Bündel: Ein ganzer Waggon sollte es sein. Die Anzeige erschien am 16. Mai 1892 im Darmstädter Tagblatt, weit entfernt vom Niederrhein. Gedacht war das Material für Strohstuhlsitze. Die wenigen Zeilen halten einen praktischen Schritt vor der Herstellung fest – die Suche nach einer ausreichend großen Lieferung.1

Eine Bestellung ist damit noch nicht belegt. Wir wissen aus der Anzeige weder, wer antwortete, noch ob das Material geliefert wurde. Selbst eine eigene Fertigung lässt sich aus Kölges’ Kontaktadresse allein nicht nachweisen. Was sie sehr wohl zeigt, ist der Versuch, Lieferanten außerhalb der Region zu erreichen. Boisheim war in dieser Nachricht eine Geschäftsadresse in einem größeren Markt, nicht bloß ein Dorf, das für sich selbst wirtschaftete.1

Neue Straßen verändern den Ort

Zu diesem Blick nach außen passt eine Veränderung im Dorf selbst. Vor dem Straßenausbau der 1840er-Jahre führte die Hauptachse von Westen nach Osten über Brüggener Straße, An St. Peter, Kapellenstraße und Pütterhöfer Weg. Danach gewann die Nord-Süd-Verbindung an der heutigen Nettetaler Straße an Gewicht. Bebauung folgte dem wichtigeren Verkehrsweg. Neue Verbindungen änderten damit nicht allein die Reisezeit, sondern auch die Richtung, in die Boisheim wuchs.2

Nettetaler Straße 147 steht nördlich des alten Kerns an dieser Erweiterung. Die Denkmalbeschreibung datiert das Haus ungefähr in die Mitte des 19. Jahrhunderts; ein genaues Baujahr ist nicht bekannt. Vom Kirchumfeld hierher zu gehen heißt, zwei Phasen der Dorfentwicklung miteinander zu vergleichen: den älteren Mittelpunkt und den später wichtiger gewordenen Straßenraum. Nicht jedes historische Zeugnis steht am Markt oder neben der Kirche.2

1866 kam die Eisenbahn hinzu. Boisheim lag nun an der Verbindung über Viersen und Dülken nach Kaldenkirchen. Die frühere Station besaß Empfangsgebäude, Güterschuppen, Anschlussgleis und zeitweise vier Gleise. Sie war also auch ein Umschlagort für Waren. Die kleine heutige Haltestelle lässt diese Aufgabe kaum noch erkennen. Gerade deshalb ist die alte Anlage wichtig, wenn man verstehen will, wie ein Dorf an überregionale Lieferwege angeschlossen war.3

Ein Dorf mit mehr als Landwirtschaft

Zwischen Kirchplatz und Bahnhof lässt sich dieser Wandel zu Fuß verfolgen: ältere Dorfachse, ausgebaute Nord-Süd-Straße, Bahnverbindung. Das frühere Empfangsgebäude steht nicht mehr; die Bahndokumentation nennt kein gesichertes Abrissdatum. Güterschuppen und Anschlussgleis gehören jedoch zur überlieferten Anlage. Dass Kölges sein Flechtgras tatsächlich auf diesem Weg erhielt, ist nicht belegt. Die Bahn erklärt die Möglichkeiten des Ortes, nicht den Ausgang seines Inserats.3

Für die späten 1920er-Jahre nennt die Ortsgeschichte zwei kleinere Stuhlfabriken, eine Garnbleicherei, eine Zigarrenfabrik und eine Schuhfabrik. Das waren sehr verschiedene Formen von Arbeit neben der Landwirtschaft. Kölges’ Anzeige ist eine frühere Spur zum Material für Stuhlsitze, keine belegte Firmengenealogie dieser Betriebe. Zusammen verändern die Nachrichten aber das vertraute Bild: Boisheim war auch ein Ort der Herstellung, der Beschaffung und des Versands. Wer nur auf Felder und Höfe schaut, sieht einen Teil seiner Geschichte nicht.41

LIES SELBST

Originaldokument
16. Mai 1892 · S. 1630, Anzeige Nr. 7671

Boisheim in einer Darmstädter Anzeige

Die Anzeige Nr. 7671 steht auf Buchseite 1630. In der Textansicht findest du sie mit der Suche nach Kölges.

Worauf du beim Lesen achten kannst
  1. Suche Ferd. Kölges und Boisheim.
  2. Lies Material und Verwendungszweck zusammen.
  3. Beachte die Bitte um Angebote und Muster.

Welche Dinge mussten beschafft werden, bevor aus Handwerk ein fertiger Stuhl werden konnte?

Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt · Digitale Edition · ansehen ↗

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Einordnung und offene Fragen

Ein Kauf oder bestimmter Transport ist nicht belegt. Nettetaler Straße 147 hat kein gesichertes exaktes Baujahr; beim Abriss des Empfangsgebäudes bleibt die Bahnhofs-Dokumentation ebenfalls vorsichtig.

DAS HÄNGT ZUSAMMEN

Ein anderer Blick darauf.

Quellen zu dieser Geschichte · 4
  1. 1.Darmstädter Tagblatt · Originalausgabe 16. Mai 1892, S. 1630, Anzeige Nr. 7671 ↗
  2. 2.Stadt Viersen · Denkmaltext Nettetaler Straße 147, wiedergegeben bei Käthe und Bernd Limburg ↗
  3. 3.Burkhard Thiel · Dokumentation der Bahnstation Boisheim ↗
  4. 4.Virtuelle Gedenkstätte Viersen · Boisheim, Wirtschaft und Dorfgeschichte ↗

Maria Kürvers: Wie die Partei in den Schulalltag eingriff

Eine Lehrerin blieb den Schulungsabenden der NSDAP fern. Die Partei reagierte mit einem Angriff auf ihre berufliche Eignung. Briefe aus Boisheim zeigen, wie politische Kontrolle bis in die Personalakte reichte.

Zeitlinie & Belege zu dieser Geschichte ↘

20. Juli 2020

Der Ort, in dem Maria Kürvers unterrichtete

St. Peter in Boisheim auf einer Aufnahme von 2020. Das Bild zeigt einen markanten Ort im Dorf, in dem Maria Kürvers als Lehrerin arbeitete. Ihre Geschichte führt in Briefe und Akten aus der NS-Zeit.

Genauer hinsehen

Das Kirchgebäude gibt der Ortsgeschichte eine sichtbare Adresse. Für Kürvers selbst führt der Weg von diesem heutigen Dorfbild zurück zu den überlieferten Dokumenten.

Einordnung zum Bild

Dieses Foto zeigt St. Peter, nicht Kürvers’ Schule. Es entstand 2020 und bildet weder die Lehrerin noch eine Situation aus ihrem Leben ab.

ORT DER GESCHICHTE · 20. Juli 2020

Der Ort, in dem Maria Kürvers unterrichtete

Ortsaufnahme

St. Peter in Boisheim auf einer Aufnahme von 2020. Das Bild zeigt einen markanten Ort im Dorf, in dem Maria Kürvers als Lehrerin arbeitete. Ihre Geschichte führt in Briefe und Akten aus der NS-Zeit.

Das Kirchgebäude gibt der Ortsgeschichte eine sichtbare Adresse. Für Kürvers selbst führt der Weg von diesem heutigen Dorfbild zurück zu den überlieferten Dokumenten.

Bildnachweis & Einordnung

Dieses Foto zeigt St. Peter, nicht Kürvers’ Schule. Es entstand 2020 und bildet weder die Lehrerin noch eine Situation aus ihrem Leben ab.

Rudolfo42

Ortsaufnahme von Rudolfo42; Wikimedia Commons. Die veröffentlichte Bildfassung wurde in Größe und Ausschnitt angepasst; diese Fassung steht unter CC BY-SA 4.0.

CC BY-SA 4.0 · Bildnachweis ↗

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Unterricht vorzubereiten war für eine Lehrerin nicht mehr genug. Ab 1933 sollten Schulen, Behörden und Verbände den Zielen der NS-Herrschaft folgen. Das Regime nannte diesen Zugriff „Gleichschaltung“. Das Berufsbeamtengesetz schuf Möglichkeiten, politische Gegner aus dem Dienst zu entfernen und jüdische Beschäftigte gezielt auszuschließen. Der Druck auf Lehrkräfte betraf deshalb mehr als den Inhalt ihrer Stunden: Auch ihr Arbeitsplatz hing von der politischen Ordnung ab.3

Maria Kürvers arbeitete in Boisheim weiter. Am 5. September 1934 leistete sie den vorgeschriebenen Diensteid auf Hitler, trat aber nicht in die NSDAP ein. Diese Angaben passen nicht in eine einfache Heldengeschichte. Sie zeigen eine Frau, die unter der Diktatur im Beruf blieb und sich zugleich nicht vollständig in die Parteiorganisation einfügte. Ihre persönlichen Gründe sind nicht vollständig überliefert. Was daraus im Alltag folgte, wird erst an den späteren Schreiben deutlich.1

Die Partei verlangt einen ärztlichen Blick

Kürvers blieb Schulungsabenden fern. Sie verwies auf Unterrichtsvorbereitung und frühes Schlafengehen. Die NSDAP-Kreisleitung Viersen-Kempen machte daraus am 1. Oktober 1937 eine Personalfrage: Möglicherweise fehle es ihr an körperlicher Leistungsfähigkeit, schrieb sie an Schulrat Salzberger. Eine Prüfung und ein Bericht über Maßnahmen sollten folgen. Politische Abwesenheit wurde damit als mögliche Dienstunfähigkeit behandelt. Das Schreiben enthält keinen ärztlichen Befund, sondern den Versuch der Partei, über die berufliche Eignung Druck auszuüben.4

Der Zugriff blieb nicht auf die Schule beschränkt. Johann Kamps, seit 1929 Ehrenbürgermeister in Boisheim, wurde 1935 nicht erneut ernannt. Die Ortsdarstellung verbindet das damit, dass seine Familie sich den Nationalsozialisten nicht unterordnete. Vertrautheit mit dem Dorf und bisherige Amtsführung schützten also nicht vor politischen Anforderungen. Was bei Kürvers über die Personalakte versucht wurde, konnte an anderer Stelle den Verlust des öffentlichen Amtes bedeuten.2

Kürvers hatte zuvor dem Zentrum angehört. 1933 wurde die Parteienvielfalt beseitigt: Nach dem Verbot der SPD lösten sich andere Parteien unter dem Druck der NS-Herrschaft auf, darunter das Zentrum. Doch eine aufgelöste Partei verschwand nicht aus dem Gedächtnis der Verfolger. Elf Jahre später wurde Kürvers wegen ihrer früheren Tätigkeit erneut verfolgt. Das benennt ihr Kollege Heinrich Kuhles ausdrücklich in seinem Brief über ihre Verhaftung.3

Ein Kollege schreibt für ihre Freilassung

Am 23. August 1944 bat Kuhles den Schulrat um Kürvers’ Rückkehr. Wegen ihrer früheren führenden Zentrumstätigkeit sei sie nach Krefeld gebracht worden. Auch er selbst verdanke seine Freiheit der Fürsprache des Brüggener Amtsbürgermeisters, schrieb er. Politische Verfolgung hatte damit zwei Menschen aus dem Boisheimer Schuldienst getroffen. Sein Brief ist eine Bitte um Hilfe und ein Zeugnis seiner Lage; er ist keine Gestapo-Entscheidung und belegt nicht, was die spätere Entlassung bewirkte.5

Zugleich verdrängte der Krieg den Unterricht aus dem Schulhaus. Soldaten und Schanzarbeiter belegten die Volksschule; die Kinder lernten in Privathäusern weiter. Familien und Lehrkräfte mussten Räume ersetzen, die nun militärischen Zwecken dienten. Der Krieg änderte den Alltag im Dorf also schon dort, wo kein Kampf stattfand: im Weg zur Schule, in den verfügbaren Zimmern und in den Bedingungen, unter denen Unterricht überhaupt noch möglich war.2

Im September 1945 unterrichtete Kürvers wieder. Drei Monate später schrieb sie, sie lebe in einem einzigen Raum und es fehle an notwendigen Dingen. Die Arbeit hatte wieder begonnen, während ihr eigener Alltag nach Haft, Evakuierung und Krieg kaum abgesichert war. 1947 beantragte sie den Ruhestand. Die Rückkehr in den Beruf bedeutete für sie deshalb noch keinen abgeschlossenen Neubeginn.1

Was die Lebensgeschichte kompliziert macht

Zum Diensteid kamen Schuldienst-Ehrenzeichen von 1939 und 1942. Zugleich nennt die Biografie den fehlenden Parteieintritt und die Haft. Der persönliche Eid auf Hitler war nach dem Gesetz vom 20. August 1934 auch für bereits beschäftigte Beamte vorgeschrieben. Eine Auszeichnung beweist keine persönliche Zustimmung zum Regime; Verhaftung belegt für sich keine durchgehende Widerstandstätigkeit. Kürvers’ Lebensweg braucht diese Genauigkeit. Er erzählt, wie Anpassungszwang, beruflicher Alltag und Verfolgung in einer einzelnen Biografie zusammentreffen konnten.61

Die spätere Biografie ergänzt, dass das Gesundheitsamt Kürvers 1937 für diensttauglich erklärte. Für 1944 nennt sie den 25. August als Entlassungstag, zwei Tage nach Kuhles’ Brief. Der zeitliche Zusammenhang beweist noch nicht, dass sein Schreiben die Freilassung bewirkte. Doch die Dokumente zeigen etwas Konkretes: wie die Partei gegen eine Lehrerin vorging und wie ein Kollege versuchte, ihr zu helfen. An solchen Entscheidungen wird die Diktatur im Dorf verständlich.145

LIES SELBST

Originaldokument
1. Oktober 1937 · NSDAP-Kreisleitung Viersen-Kempen

Ein Parteibrief macht beruflichen Druck greifbar

Briefkopf, Datum und Adressat stehen im veröffentlichten Scan. Der letzte Absatz verlangt eine Prüfung und eine Rückmeldung an die Partei.

Worauf du beim Lesen achten kannst
  1. Wer schreibt hier, und an wen?
  2. Wie wird das Fernbleiben von Schulungsabenden mit körperlicher Leistungsfähigkeit verknüpft?
  3. Achte darauf: Das Schreiben verlangt eine Untersuchung; es enthält nicht deren Ergebnis.

Wie konnte eine Parteistelle eine politische Erwartung in eine berufliche Prüfung übersetzen?

Virtuelle Gedenkstätte Viersen · Originalscan · ansehen ↗

Kennst du jemanden, den das interessiert?

Zeitlinie und Quellen genauer ansehen 3 Dokumente

DEN BELEGEN FOLGEN

Die Briefe zeigen konkrete Eingriffe und Bitten um Hilfe. Sie lassen nicht alle Motive und Behördenentscheidungen erkennen. Eid, Auszeichnungen, Distanz zur Partei und Haft gehören nebeneinander in diese Biografie.

  1. 1934
  2. 1.10.1937
    Druck der Kreisleitung

    Ein Brief verlangt Kürvers’ körperliche Überprüfung.

  3. 23.8.1944
    Kuhles bittet um Hilfe

    Er berichtet über die Haft und bittet um ihre Rückkehr.

  4. 1945/47
    Zurück in die Schule

    Kürvers unterrichtet wieder und beantragt später den Ruhestand.

Die Dokumente nebeneinander lesen 3
Einordnung und offene Fragen

Die veröffentlichten Scans zeigen die Briefe. Der ärztliche Befund und eine Gestapo-Entscheidung sind darin nicht enthalten. Die NS-Auszeichnungen sind biografisch überliefert und beweisen keine persönliche Zustimmung zum Regime.

DAS HÄNGT ZUSAMMEN

Ein anderer Blick darauf.

Quellen zu dieser Geschichte · 6
  1. 1.Virtuelle Gedenkstätte Viersen · Maria Kürvers, mit veröffentlichten Briefauszügen ↗
  2. 2.Virtuelle Gedenkstätte Viersen · Boisheim in der NS-Zeit und im Krieg ↗
  3. 3.Arnulf Scriba · Die Gleichschaltung 1933, Deutsches Historisches Museum, 2015 ↗
  4. 4.NSDAP-Kreisleitung Viersen-Kempen · Brief an Schulrat Salzberger, 1. Oktober 1937; veröffentlichter Originalscan ↗
  5. 5.Heinrich Kuhles · Brief an den Schulrat, 23. August 1944; veröffentlichter Originalscan ↗
  6. 6.Gesetz über die Vereidigung der Beamten und Soldaten, 20. August 1934, §§ 2–3; Nürnberger Dokument 2061-PS, Yale Avalon Project ↗

EIN NÄHERER BLICK

Menschen, Häuser,
neue Fragen.

Geschichten, die den Blick auf den Ort verändern. Die Zahlen am Text führen zu den Belegen.

Gemeinsame Stadt · 1968–1970

Vier Orte bekamen eine Stadt. Zusammenwachsen mussten sie selbst.

Am 1. Januar 1970 galt ein neues Stadtgebiet. Doch Bürger gingen weiter zu vertrauten Ämtern, und Feuerwehren hatten ihre eigenen Zuständigkeiten. An diesen kleinen Fragen zeigt sich, was die große Reform praktisch bedeutete.

Im Gebietsänderungsvertrag vom 21. November 1968 bereiteten die drei Städte und die Gemeinde Boisheim den Zusammenschluss vor; wirksam wurde die Neuordnung am 1. Januar 1970. Das Gesetz machte daraus eine neue Stadt mit dem Namen Viersen. Vier bislang eigenständige Kommunen sollten künftig gemeinsam verwaltet werden. Boisheim wurde dabei ausdrücklich als eigene Gemeinde genannt. Der Vertragsabschluss von 1968 und die tatsächlich entstandene Stadt von 1970 sind also zwei verschiedene Schritte.1

Wie nah bleibt das Amt?

Für Boisheim regelte das Gesetz sogar die Zukunft einer Verwaltungsnebenstelle: Nach zwei Wahlperioden durfte der Rat sie auflösen. Das bisherige Ortsrecht galt zunächst weiter, längstens zwölf Monate bis zu neuen Bestimmungen. Solche Übergänge waren keine Randfragen. Wenn aus mehreren Kommunen eine wird, muss geklärt werden, wo Bürger ihre Angelegenheiten erledigen und welche Regeln gelten. Die Reform begann deshalb nicht nur mit neuen Grenzen, sondern auch mit einem Nebeneinander alter und neuer Zuständigkeiten.1

Eine gemeinsame Feuerwehr musste erst zusammenarbeiten

Aus den vier selbstständigen Freiwilligen Feuerwehren wurden Löschzüge einer Gesamtwehr; die Rektoratstraße wurde Hauptfeuerwache. Die örtlichen Ausrückebereiche blieben laut Feuerwehrchronik weitgehend erhalten, zugleich rückte die hauptamtliche Wache nun auch in die anderen Stadtteile aus. Am 10. Oktober 1970 fand im Saal Markett an der Hardter Straße die erste gemeinsame Jahreshauptversammlung statt. Die Chronik nennt aber auch einen Verlust: Durch Zentralisierung schrumpfte für den Löschzug Viersen der eigene Spielraum. Gemeinsame Organisation konnte mehr verbinden und örtliche Selbstständigkeit begrenzen.23

Quellen und Hintergründe · 3
1. Gesetzestext · digital bereitgestellte FassungLand Nordrhein-Westfalen · Neugliederungsgesetz vom 18. Dezember 1969 ↗

Fundstelle: §§ 1, 10 Absatz 1 Nr. 1 und Absatz 2 Nr. 2, 15

Die bereitgestellte Fassung gilt ab 2000 und enthält spätere Änderungen. Die genannten Regeln dokumentieren die Neuordnung; sie sind keine Umfrage zu den Wünschen der Einwohner.

2. Amtlicher RückblickStadt Viersen · Vorlage 2017/1284/FB10/I, historische Entwicklung der Feuerwehr ↗

Fundstelle: Abschnitt „Historische Entwicklung“

Der Rückblick von 2017 beschreibt die Organisation. Er gibt keine persönlichen Erfahrungen der damaligen Feuerwehrangehörigen wieder.

3. Rückblick aus der FeuerwehrFeuerwehr Viersen · Chronik, Abschnitt 1970 ↗

Fundstelle: Historie 1970–1979 · Einträge zu 1970

Die Chronik beschreibt die Reform aus der Perspektive der Feuerwehr. Die Aussage zum verlorenen Handlungsspielraum betrifft den Löschzug Viersen, nicht pauschal alle vier Einheiten.

Vergleiche beim Weiterlesen die vier Ortsgeschichten: Der gemeinsame Stichtag erklärt nicht allein, weshalb die Stadtteile unterschiedlich geblieben sind.

Recherche: 7. Oktober 2026.

DAS HÄNGT ZUSAMMEN

Ein anderer Blick darauf.

EIN ORT. ZWEI ZEITEN.

Ein Plan vor dem Umbau. Ein Foto lange danach.

St. Peter lässt sich in zwei verschiedenen Bildsprachen lesen: als Bauaufnahme von 1891 und als Fotografie vom 20. Juli 2020.

1891 · Abbildung 6 · Historisches Original

1891 · Abbildung 6

Grundriss und Querschnitt von 1891

Grundriss und Querschnitt von 1891

Im Grundriss erkennst du den älteren Turm und die Aufteilung der Kirche vor der Erweiterung von 1898.

In: Paul Clemen, Die Kunstdenkmäler des Kreises Kempen, 1891, S. 13 · Gemeinfrei · Public Domain · Bildnachweis ↗

20. Juli 2020 · Spätere Aufnahme

20. Juli 2020

St. Peter am 20. Juli 2020

St. Peter am 20. Juli 2020

Das Foto zeigt die spätere äußere Gestalt. Der Bau lässt sich so mit der historischen Zeichnung in Beziehung setzen.

Rudolfo42 · CC BY-SA 4.0 · Bildnachweis ↗

Bildfassung in Größe und Ausschnitt angepasst · CC BY-SA 4.0.

Zeichnung und Foto zeigen unterschiedliche Ansichten. Ein Überblenden würde eine räumliche Genauigkeit vortäuschen, die diese Bilder nicht bieten. Der Plan erklärt den älteren Bau; das Foto dokumentiert den Zustand von 2020.

Die Baugeschichte dazu lesen ↗

MIT ANDEREN AUGEN NACH DRAUSSEN

Boisheim zum
Hinsehen.

Wähle einen Ort und eine Frage. Die Hinweise helfen beim Betrachten; für Innenräume beachte den tatsächlichen Zugang und die Öffnungszeiten.

St. Peter Boisheim

Welche Kirche zeigt der Plan von 1891?

Suche den Übergang zwischen älteren Teilen und der westlichen Erweiterung.

An St. Peter, Viersen-Boisheim

Was dieser Ort erzählt

Der alte Plan dokumentiert einen Zustand vor dem Umbau von 1898. Er lässt sich mit der heutigen Außenansicht vergleichen.

Innenbesichtigungen richten sich nach dem Zugang vor Ort; laufende Gottesdienste beachten.

Lucia-Kapelle

Wie viel Geschichte passt in einen kleinen Bau?

Achte auf den weiß geschlämmten Backstein und die Datierung am Eingang.

Kapellenstraße / Pütterhöfer Weg, Viersen-Boisheim

Was dieser Ort erzählt

Bei der frühen Kapellengeschichte stehen unterschiedliche Datierungen nebeneinander. Das erhaltene Gebäude gibt der Überlieferung einen konkreten Bezug.

Den kleinen Kapellenraum und seinen tatsächlichen Zugang respektieren.

Haltepunkt Boisheim

Wie verändert eine Bahnverbindung ein Dorf?

Vergleiche den Weg zum Bahnhof mit den älteren Straßen am Kirchumfeld.

Raiffeisenstraße, Viersen-Boisheim

Was dieser Ort erzählt

Der Bahnanschluss von 1866 gehört zu Boisheims Verbindung mit den Nachbarorten. Die heutigen Anlagen sind nicht das Empfangsgebäude jener Zeit.

Gleise und Betriebsflächen nicht betreten; für eine Anreise aktuelle Verbindungen prüfen.

SCHICHT FÜR SCHICHT

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durch die Zeit.

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01Mittelalter · 1288 oder 1304Glaube

GLAUBE

Eine Kapelle und zwei frühe Daten

Eine Kapelle stand hier schon, als zwischen 1258 und 1291 ein kirchliches Verzeichnis angelegt wurde. Für die erste Erwähnung des Ortsnamens nennen heutige Darstellungen 1288 oder 1304. Keine dieser Nachrichten ist ein gesicherter Gründungstag. Die heutige Kirche St. Peter entstand später. An ihr kannst du den alten kirchlichen Mittelpunkt entdecken, aber keinen unverändert erhaltenen Bau aus der ersten Nachricht.

St. Peter in Boisheim mit Kirchturm links und langem Kirchenschiff rechts unter blauem Himmel
St. Peter in Boisheim · Aufnahme vom 20. Juli 2020 · Foto: Rudolfo42 · CC BY-SA 4.0 · Original · Foto vergrößern ↗

Die Spur vor deiner Tür

An St. Peter liegt der alte kirchliche Mittelpunkt. Die heutige Kirche entstand später als die frühe schriftlich erwähnte Kapelle.

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021304 · später Amt BrüggenStadtleben

STADTLEBEN

Jülich und ein Kloster hatten verschiedene Rechte

Boisheim gehörte später politisch zum Jülicher Amt Brüggen. Daneben besaß die Kölner Abtei St. Pantaleon kirchliche Rechte und bezog Einnahmen aus dem Dorf. Der städtische Wegweiser nennt für 1304 den Übergang von Kessel an Jülich und die Schenkung des Zehnten an die Abtei. Diese Abgabe und das Recht, Pfarrer einzusetzen, machten das Kloster nicht zum politischen Herrn des ganzen Dorfes. Die Urkunde von 1304 bleibt umstritten.

Die Spur vor deiner Tür

St. Peter erinnert an die kirchliche Verbindung nach Köln; sie bedeutete keine eigene klösterliche Landesherrschaft.

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031487 · spätere ErweiterungenGlaube

GLAUBE

1487 steht an der Nordseite

Such an der Nordseite von St. Peter nach der Inschrift mit dem Jahr 1487. Teile dieses Baus stehen noch; der heutige Turm gehört jedoch zu einer späteren Erweiterung. 1898 vergrößerten die Architekten Rüdell und Odenthal die Kirche nach Westen und ersetzten den alten Turm. Backstein, Tuffsteinbänder und Fensterformen helfen dir, die Bauteile zu unterscheiden. Eine Zeichnung von 1891 zeigt die Kirche noch vor dem Umbau.

St. Peter in Boisheim mit Kirchturm links und langem Kirchenschiff rechts unter blauem Himmel
St. Peter in Boisheim · Aufnahme vom 20. Juli 2020 · Foto: Rudolfo42 · CC BY-SA 4.0 · Original · Foto vergrößern ↗

Die Spur vor deiner Tür

St. Peter: Nordseite des Altbaus und Übergänge zu den späteren Teilen. Innenbesichtigungen richten sich nach dem tatsächlichen Zugang vor Ort.

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041616 / 1629 · restauriert 1893Glaube

GLAUBE

Eine kleine Kapelle mit langer Geschichte

Über dem Eingang der Lucia-Kapelle steht 1629. Pastor Joannes Numerich berichtete dagegen von einem Bau im Jahr 1616. Auch das kleine Glockentürmchen und das runde Fenster im geschwungenen Giebel stammen aus einer anderen Zeit: Bei der Restaurierung 1893 wurde das Türmchen erneuert und das Fenster ergänzt. Der weiß geschlämmte Backsteinbau am Wegekreuz bewahrt Spuren dieser Veränderungen.

Luciakapelle in Boisheim mit geschwungenem Giebel, rundem Fenster und kleinem Dachreiter
Luciakapelle in Boisheim · Aufnahme von 2009 · Foto: Käthe und Bernd Limburg · CC BY-SA 3.0 DE · Original · Foto vergrößern ↗

Die Spur vor deiner Tür

An der Kreuzung Kapellenstraße und Pütterhöfer Weg: weiß geschlämmter Backstein, kleines Dach und die Datierung über dem Eingang.

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051725Arbeit

ARBEIT

Durch Boisheim fahren hieß auch: Zoll zahlen

1725 ließ der Herzog von Jülich in Boisheim eine Zollstelle errichten. Wer abgabepflichtige Waren durch den Ort brachte, musste hier Zoll zahlen. Die Straßen verbanden damit nicht nur Höfe und Nachbarorte; der Landesherr konnte an ihnen auch den Warenverkehr besteuern.

Die Spur vor deiner Tür

Die älteren Straßen durch Boisheims Kern machen seine Lage an Verbindungen in die Umgebung nachvollziehbar.

DAS HÄNGT ZUSAMMEN

Ein anderer Blick darauf.

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061760 · soziale Nutzung im 20. JahrhundertGemeinschaft

GEMEINSCHAFT

Pflege und Kinderbetreuung im Joseph-Haus

1760 lässt sich an der Fassade des Joseph-Hauses ablesen. Die spätere Nutzung führte die Missionsschwestern vom kostbaren Blut in den älteren Backsteinbau: Sie pflegten Kranke und betreuten Kinder. Die von Käthe und Bernd Limburg wiedergegebene Denkmalbeschreibung erzählt von einem Ort ohne eigenen Arzt und von Pfarrer Joseph Faßbenders Einsatz für diese Hilfe. An der Ecke zur Wilhelmshöhe steht die Josefsfigur. Das private Haus kannst du von der Straße aus betrachten.

Die Spur vor deiner Tür

Nettetaler Straße 103: Ecklage zur Wilhelmshöhe und Josefsfigur. Das private Gebäude bitte von der Straße aus betrachten.

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071794–1814 · Kantone 1798, Mairien ab 1800Stadtleben

STADTLEBEN

Das Dorf gehört zum Kanton Bracht

In der französischen Zeit bekam Boisheim eine Mairie, also eine Bürgermeisterei. Sie gehörte zum Kanton Bracht im Arrondissement Krefeld des Rur-Departements, ebenso wie Dülken. Die Kantone wurden 1798 neu geordnet; die Mairien richtete die französische Verwaltung ab 1800 ein. Zwei Namen in alten Akten bezeichnen damit unterschiedliche Ebenen: den größeren Bezirk und die örtliche Verwaltung.

Die Spur vor deiner Tür

Die alten Bezirksnamen begegnen dir in historischen Akten. Boisheims Straßen und Höfe blieben Teil des Dorflebens.

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08Anfang des 19. JahrhundertsArbeit

ARBEIT

Das Dorf hinter den großen Wahrzeichen

An der Nettetaler Straße 112 stehen Wohnhaus und Torbau dicht beieinander. Das Haus entstand Anfang des 19. Jahrhunderts in der Bauernhausansiedlung um St. Peter. Hinter der Fassade dokumentiert die Denkmalakte ein tragendes Holzgerüst mit Lehmausfachung – mit Lehm gefüllten Zwischenräumen. Im rückwärtigen Torbau sitzt Backstein zwischen den Holzbalken. Das Innere gehört zum privaten Haus. Vom Straßenraum aus kannst du die Anordnung der Gebäude betrachten.

Die Spur vor deiner Tür

Nettetaler Straße 112: Wohnhaus und Torbau im Zusammenhang des alten Ortskerns. Die dokumentierte Innenkonstruktion ist kein öffentlich zugängliches Besuchsangebot.

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091866Stadtleben

STADTLEBEN

Boisheim bekommt einen Bahnhof

1866 bekam Boisheim einen Bahnhof an der Strecke von Viersen über Dülken nach Kaldenkirchen. Zur früheren Anlage gehörten ein Empfangsgebäude, ein Güterschuppen und zwei Stellwerke; der Bahnhof hatte vier Gleise. Das Empfangsgebäude steht nicht mehr. Die Bahndokumentation nennt für seinen Abriss kein gesichertes Datum. Der heutige Haltepunkt verbindet Boisheim weiterhin mit der Bahnstrecke, zeigt aber nur wenig von der größeren früheren Anlage.

Die Spur vor deiner Tür

Der Haltepunkt Boisheim bildet einen realen Bezug zur Bahnlinie; heutige Anlagen sind nicht mit dem Empfangsgebäude von 1866 gleichzusetzen.

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101911/12 · Erinnerung an den Sturm 1891Natur

NATUR

Ein Sturm bleibt in Erinnerung

Am 1. Juli 1891 traf ein Wirbelsturm die Gegend. Daran erinnert die Wegekapelle Lind zwischen Boisheim und Dülken. Die ausführliche Denkmalbeschreibung datiert ihren Bau auf 1911/12; der städtische Wegweiser nennt abweichend 1894. Schau auf den kleinen Backsteinbau: Sein Grundriss bildet ein Kreuz mit einem achteckigen Mittelteil. Das Unwetter und der spätere Bau der Kapelle sind verschiedene Ereignisse.

Die Spur vor deiner Tür

Wegekapelle an der Linder Straße beziehungsweise dem Linder Weg, in der Gehöftsiedlung zwischen Boisheim und Dülken.

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111944 · Unterricht wieder ab September 1945Erinnerung

ERINNERUNG

Eine Lehrerin unter politischem Druck

Maria Kürvers trat nicht in die NSDAP ein und blieb deren Schulungsabenden fern. Die Partei stellte daraufhin ihre berufliche Eignung infrage; das Gesundheitsamt erklärte sie 1937 für diensttauglich. 1944 nahm die Gestapo die Boisheimer Lehrerin in Krefeld in Haft. Ihr früherer Schulleiter Heinrich Kuhles bat um ihre Freilassung. Am 25. August kam sie frei; ob seine Bitte ausschlaggebend war, ist nicht belegt. Nach Haft und Evakuierung unterrichtete sie ab September 1945 wieder. In einem Brief vom Dezember beschrieb sie ihre Krankheit und das Wohnen in nur einem Raum.

Die Spur vor deiner Tür

Die Virtuelle Gedenkstätte zeigt Schreiben zu Maria Kürvers und historische Schulbilder aus Boisheim. Sie geben der Ortsgeschichte eine konkrete Biografie.

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121. März 1945Erinnerung

ERINNERUNG

Das Kriegsende erreicht Boisheim

Am 1. März 1945 rückten amerikanische Truppen in Boisheim ein. Damit endete die NS-Diktatur vor Ort. Während der Kriegsjahre mussten Kriegsgefangene und verschleppte Menschen im Dorf arbeiten. Bombenangriffe und Evakuierungen prägten das Leben. In der Volksschule waren Soldaten und Schanzarbeiter untergebracht; die Kinder wurden in kleinen Gruppen in Privathäusern unterrichtet. Die Virtuelle Gedenkstätte führt von diesen Ortsangaben zu Biografien und historischen Dokumenten.

Die Spur vor deiner Tür

Die Ortsdarstellung der Virtuellen Gedenkstätte erschließt historische Dokumente zu Boisheim. Der heutige ruhige Ortskern erklärt diese Kriegsjahre nicht von selbst.

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131. Januar 1970 · Vertrag 1968Gemeinschaft

GEMEINSCHAFT

Ein Vertrag bereitet die neue Stadt vor

Der Vertrag vom 21. November 1968 bereitete den Zusammenschluss der drei Städte und der Gemeinde Boisheim vor. Am 1. Januar 1970 entstand rechtlich die neue Stadt Viersen. Boisheim verlor damit seine kommunale Eigenständigkeit. Die Gemeinde wird im Neugliederungsgesetz ausdrücklich als Partner des Zusammenschlusses genannt. Der Vertrag und das Inkrafttreten des Gesetzes bezeichnen zwei verschiedene Schritte.

Die Spur vor deiner Tür

Boisheim ist einer der vier Viersener Ortsteile. Die Nähe zu Dülken lässt sich auch entlang der Wege zwischen den alten Ortskernen erfahren.

DAS HÄNGT ZUSAMMEN

Ein anderer Blick darauf.

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1429. Oktober 2015Gemeinschaft

GEMEINSCHAFT

Das Dorf baut sich einen Treffpunkt

Am 29. Oktober 2015 öffnete der Dorfladen im BoDo-DORV-Zentrum. Ehrenamtliche aus Boisheim bauten dafür das frühere Feuerwehrgerätehaus um. Eine Sitzecke im Laden bot schon Platz für Kaffee und ein kleines Frühstück. Der eigene Anbau für Café und Begegnungsstätte war im August 2016 noch nicht fertig. Hinter dem Zentrum stehen eine gemeinnützige Gesellschaft und Menschen aus dem Dorf, die sich an der Finanzierung beteiligten.

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BoDo am Pütterhöfer Weg 8: Dorfladen und Café verbinden Versorgung mit Begegnung. Aktuelle Angebote und Öffnungszeiten vor dem Besuch prüfen.

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EINE GESCHICHTE FÜHRT WEITER

Noch näher
an den Ort.

Historische Karten, ausführliche Ortsbeschreibungen und Erinnerungen helfen, die Zusammenhänge weiter zu entdecken.

Zuletzt ergänzt: .

Zum Weiterlesen

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Bitte beachte Öffnungszeiten und private Grundstücke; nicht jeder historische Ort ist öffentlich zugänglich.

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